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Home VIII. Das Thannheimer Gebirge VIII. Das Thannheimer Gebirge Allgemeine Charakteristik des Thannheimer Gebirgsstockes
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 II. Aus den Algäuer Alpen [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 VIII. Das Thannheimer Gebirge

Das Algäu

Das grüne Thal von Wald umfangen, der hoch in die Schluchten des Gebirges sich hinaufzieht; – lachende Weidematten hingebreitet über die gewölbten Bergrücken, durch die Thalsinken hinauf bis zur Grenze der Vegetation, die weiten, flachen Kare der Gebirgshöhen auskleidend. Drüber der starre, zackige Fels, als Rahmen des Bildes, in welches nur selten ein störender Eingriff ihm gestattet wird; seine Gipfelhäupter spiegeln sich im azurblauen See, welcher den Grund des Alpenbeckens erfüllt. Stattlich grüsst die Sennhütte den ankommenden Wanderer; statt des Loches um's Heerdfeuer herum empfängt ihn eine saubere Alpstube mit Tisch und Bank. In langen Zügen kommen die schweren, Gesundheit und Fülle strotzenden Kühe zur Abendmelke und vollauf haben der Senn und seine Untergebenen zu thun, den centnerschweren Käse des Morgens unter die Presse zurecht zu richten, bevor neuer Vorrath anlangt zu dem geschätzten Nährstoffe, der im folgenden Jahre durch die Hand des kundigen Agenten nach Norddeutschland, Holland, Russland, Frankreich, vielleicht nach England und Amerika zu wandern bestimmt ist.

Ein ausgedehntes Weidegebiet, meist ein ganzes Bergthal für sich allein, dient einer einzigen Alpe und ihrer Bevölkerung von wenigen Menschen und zahlreichem Nutzvieh. Je nach Jahreszeit ist die Residenz tief unten in der Sohle des Hauptthales am Ufer der Bergbaches, oder in höherer Waldzone an den Weiden des Gehänges, am Rande des tiefen Tobels, welcher die Wassergüsse des schmelzenden Hochschnees brausend zu Thal führt; – oder die höchstgelegene Hütte im grünen, felsumrandeten Kar, am Gestade des stillen Alpensees ist für wenige Wochen des Jahres zur Wohnung erkoren. Dort haust ein fröhliches, thätiges, gewecktes Bergvolk, mit seinen Bergen verbunden seit uralten Zeiten; seit Jahrhunderten darauf eingelernt, der Alpennatur den grösstmöglichen Nutzen für das eigene leibliche Wohl abzuringen, den Kampf um's Dasein keck aufzunehmen mit der feindlichen Gewalt der Elemente ebensowohl, als mit seinen Mitconcurrenten am sparsam gedeckten Tische, im schlauen, gewinnbringenden Verkehre mit seinen Nachbarn. Ein neues Bild dem eintretenden Alpenwanderer, wenn er von Osten her, von Berchtesgaden, Altbayern, oder von Tirol herüber kommt; neu sind die Berge und neu die Leute; – diess Bild heisst Algäu.


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Letzte Aktualisierung am 29. August 2018

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