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Home XI. Das Hohe Licht Der Hochalpferner Nördlicher Abstieg in's Kar des Hochalpferners
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 II. Aus den Algäuer Alpen [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XI. Das Hohe Licht

Stückweiser Ausblick

Im Norden und Westen besserte sich allmählich der Ausblick, zuweilen trat sogar der mächtige Biberskopf aus dem trüben Gewölke wieder hervor, häufiger zeigten sich die Rappenköpfe, wenig charakteristische Feldpyramiden, tief unter meinem Standpunkte gelegen; durch die Scharte des Wild-Männle blickte ein Stück grünes Illerthal und das vordere Walserthalgebirge herein. Ueber den gezahnten Grat des Wilden Mann hinweg sah ich in lichten Momenten nach Sonthofen hinaus und überzeugte mich dadurch vollends, dass die hohe Berggestalt, welche von dort gesehen, die Mädelegabel-Gruppe zu schliessen scheint, mit zackigem Gipfelgrat und regelmässig abdachender Westlinie keine andere sei, als das hinter dem Hauptkamme stehende Hohe Licht.

Schlimmer war es mit den Aussichten im Süden bestellt, wo selten nur die schwärzlichen Mauern der nahe Parallelkette durch die Wolken schienen, noch seltener ihre Gipfel enthüllten; sie sind von dieser Seite kaum zugänglich, auch gegen Süden fallen sie ziemlich steil ab, mit Ausnahme der Ellebognerspitze, des höchsten unter ihnen, welche vom Lechthale aus leicht zugänglich ist und einen sehr lohnenden Ueberblick der Südseite des Algäuer Hauptkammes gewährt. Doch tragen auch ihre Nachbargipfel Signale.

Im Osten vollends schoben die Wolkenmassen in Schachenthale sich zusammen, dass es qualmte und brodelte wie in einem riesigen Hexenkessel; weder von der Mädelegabel, noch von den Krotenköpfen und dem von ihnen südwärts ausstrahlenden Karrerjoch-Kamme bekam ich das Geringste zu sehen. Tief unten in den Schafweiden des Schachenthales johlte ein Hirt, und aus den Wolken herab antwortete ihm eine Stimme in schelmischen Weisen. Was er sich wohl dabei gedacht haben mag?


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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