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Home XI. Das Hohe Licht Ein rivalisirender Nebengipfel Stückweiser Ausblick
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 II. Aus den Algäuer Alpen [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XI. Das Hohe Licht

Der Hochalpferner

Indess ärgerte mein Fehlgang mich durchaus nicht; es sass sich gar gemüthlich auf dem engen Plätzchen, steil aufgemauert von allen Seiten und oft gleich einer Felsenscholle in der Wolkenfluth dahintreibend; zudem hatte ich auf diesem Punkte einen bedeutend erweiterten Ueberblick der Kammstrecke gewonnen, welche das Hohe Licht mit dem Hauptgrate in Verbindung setzt.

Sie biegt im Halboval sich herum und scheint aus einer Reihe sehr schroffer und schmaler Felsblätter zu bestehen; ausser dem schartigen Rücken des Wilden Mann, an welchem sie mit dem Hauptzuge der Algäuer Alpen sich vereinigt, treten in ihr noch zwei bedeutende Gipfelerhebungen auf; sie dürften den ersteren bereits an Höhe übertreffen und werden ihrerseits wieder vom Hohen Licht bedeutend überrragt. Die Höhe des Wilden Mann wird von der bayerisch-tirolischen Grenzbeschreibungskarte zu 7902' 2567 m. angegeben; es ist ein äusserst scharfer und zernagter Mauergrat, so schneidig, dass noch unterhalb seines Scheitels Löcher in der Felsmasse sich zeigen, durch welche der lichte Himmel oder das Grün der Illerebene hindurchblickt. Seine Ersteigung steht etwas sehr in Frage; sie hätte übrigens auch wenig Werth*). Im Vergleiche mit der angegebenen Höhe darf jene des Hohen Licht reichlich zu 8000' 2600 m. angeschlagen werden; obwohl dieser Gipfel ein Vermessungssignal trägt, ist es mir doch nicht gelungen, eine bestimmte Höhenangabe für ihn, oder auch nur eine solche aufzufinden, die sich wahrscheinlicher Weise auf ihn beziehen liesse.

*) Eine Ersteigung würde am besten von Nordost, aus dem Bockskar zu unternehmen sein.

Dunkle, zerklüftete Mauern umspannen den Hintergrund des Kessels, in welchem steil geneigt, von fast runder Gestalt, das Eisfeld des Hochalpferners ruht. Ich sah dasselbe zum grössten Theile schneefrei, von tiefgrauer Farbe, mit weissen Längsstreifen gekennzeichnet, auch glaube ich einige, wiewohl unbedeutende Risse in demselben wahrgenommen zu haben.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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