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Home XI. Das Hohe Licht Ein wichtiger Knotenpunkt der Algäuer Alpen Im Bibersbach; von der Linkersalpe auf den Biberskopf, durch den Bibersbach zur Tiroler Hochalpe [1869]
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 II. Aus den Algäuer Alpen [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XI. Das Hohe Licht

Kammverkettung

Einem neckischen Kobold gleich verfolgt dieser Gipfel den Bergwanderer; breit scheint er, vom Illerthale aus gesehen, auf dem Hauptgrate zu ruhen, als viertes Felsenhaupt der Mädelegabelgruppe westlich angereiht. An seinem Westfusse zeigt sich in lichter Gratscharte das Zäckchen des Wildmännle. Rückt man dem Hochgebirge näher, in's Birgsauerthal und bis nach Einödsbach vor, so bleibt das Wildmännle stehen, ihm zur Seite aber krümmt sich ein zernagter, gestaltloser Grat empor, der mit dem Bockskarkopf und mit der Mädelegabel sich verbindet. Ist die letztere selbst erstiegen, so steht ihr im Südwesten ein hoher, fast ebenbürtiger Kegelgipfel gegenüber, welchen ein ungeübtes Auge leicht als mit dem nahen Bockskarkopfe direkt verbunden ansieht; verlässt der Ersteiger die Mädelegabel und wandert auf der weissen Decke des Trettachferners vorwärts in der Richtung auf jenen Gipfel hin, so erblickt er den pyramidalen Bockskarkopf alsbald allein wieder vor sich und neben ihm, augenscheinlich weit zurückgerückt, den Kegel von vorhin, nun mit dreizackiger Schrofengabel gekrönt. Ersteigt er dagegen den Hauptgrat und einen seiner Gipfel im westlichen Theile des Illerquellengebietes, den Biberskopf oder einen der Rappenköpfe, dann steht ihm jenseits tiefer Thalschlucht eine gewaltige, mit blendendem Schuttkleide überzogene Pyramide gegenüber, in weitgeschweiftem Zackenbogen ein eisiges Hochkar umspannend und mit dem Hauptgrate westlich der Mädelegabel sich vereinigend; – gen Süden entsendet ihr Fuss einen Sattelgrat mit jähen, durchschluchteten Abhängen, der abermals an Felsengipfel stösst, unter welchen der westliche Eckpfeiler eines gegen das Lechthal vorgeschobenen Parallelzuges, die Ellebognerspitze, aufragt. Hier erst vermag er die orographischen Verhältnisse richtig zu beurtheilen.

Bekanntlich streicht der Hauptkamm der Algäuer Alpen von der Mädelegabel bis zu seiner starken Depression am Rauhgernrücken und Schrofenpass in ausgeprägt südwestlicher Richtung; er bildet nahe der Mädelegabel noch den zu deren Gruppe gehörigen Bockskarkopf(7950' 2580 m.), in weiterer Folge den zahnigen Grat des Wilden Mann (7902' 2567 m. Grenzk.), welcher zur Scharte absinkt, in welcher das bereits genannte Wildmännle (7359' 2390 m. G.K.) steht; weiter gegen Südwesten reihen Rothgundspitze (7627' 2478 m. G.K.), Hochgundspitze (7563' 2457 m.), die Rappenköpfe (7615' 2474 m. und 7438' 2416 m. G.K.) und endlich als mächtiger Schlusspfeiler der Biberskopf (8014' 2603 m. Sendtner), sich an. Vom Scheitel des Felsrückens, welchen die bayerisch-tirolische Grenzbeschreibungskarte als den Wilden Mann bezeichnet, löst südwärts ein steilschrofiger, mehrfach zerspaltener Grat sich ab, welcher, an Höhe fortwährend zunehmend und schliesslich seinen Hauptgrat beträchtlich überbietend, gegen Westen sich herumbiegt und zu einem ca. 8000' 2600 m. hohen, zackigen Gipfel sich emporschwingt, welcher der Scharte des Wildmännle wieder fast genau gegenübersteht. Nordwärts stürzt derselbe ziemlich steilwandig in den weiten, gegen Westen offenen Mauercircus nieder, dessen innerste, stark abschüssige Partieen von den Eismassen des Hochalpferners bedeckt werden; gegen Westen und Süden dagegen decken endlose Schuttfelder die stark sich ausbreitenden Flanken der Pyramide; diess ist das Hohe Licht.

Der Grat, der von seinem Fusse gegen Süden ausgeht, trennt das Kesselthal der Tiroler Hochalpe vom Schachenbach, der im Süden der Mädelegabel und des Hochplateau's, welches den Trettachferner trägt, dem Höchbach und durch diesen dem Lech zufliesst; eine kleine, hochgelegene Thalebene des ersteren beherbergt die Rossgumpenalpe. Gegen Süden schliesst dieser Grat an einen kegelförmigen, nicht sonderlich hohen Felsgipfel an, und dieser wiederum verbindet sich einerseits mit der Ellebognerspitze (7835' 2545 m. Kataster), die südwärts mit breiter Abdachung zum Lech niederfällt, andererseits mit dem Parallelkamme, welcher, der Hauptkette der Algäuer Alpen vorgelagert, zwischen Ellebogen (Stög) und Holzgau das Lechthal begleitet. Der Unterbau des Hohen Licht, die Wandabstürze der Terrasse, auf welcher die Hochalpe liegt und endlich das Felsgehänge der Ellebogner Spitze von der einen – der mehrfach durchschluchtete Steilabfall des gesammten, abschüssigen Hochplateau's, welches am Fusse der Rappenköpfe und des Biberskopf sich hinlagert, von der anderen Seite schliessen sich die tiefe Thalenge des Bibersbaches, welche im Kare des Hochalpferners und südlich des Wildmännle ihren Anfang nimmt und oberhalb Ellebogen in die Lechschlucht ausmündet.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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