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Home XII. Die Krotenköpfe Der Culminationspunkt der Algäuer Alpen Oberstdorf [1869]
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 II. Aus den Algäuer Alpen [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XII. Die Krotenköpfe

Verknüpfung der Hornbacher Kette mit dem Algäuer Centralkamme

Einige orographische Notizen über die Stellung der Krotenköpfe und ihre Benennungen möchten als Einleitung am Platze sein. Bekanntlich sinkt von der Mädelegabel der Hauptkamm des Algäuer Gebirges in östlicher Richtung herab über das Kratzer Joch und den Kratzer zum Mädelejoch (6058' 1968 m. Gr.K.). In neuerlicher Hebung gegen Nordosten schliesst sich der Felsrücken des Muttlerkopfes (7281' 2365 m. Gr.K.) an einen zackigen Schrofengrat und dieser in wachsender Steigung an die Südwestkante der Oefnerspitze (7905' 2568 m. Gr.K.). Von ihrem Gipfel sinkt nordwärts eine Kante ab, welche durch einen flachen Sattel mit der Krotenspitze (7832' 2544 m. Gr.K.) sich verbindet; der Körper der letzteren kehrt sich bereits gegen Nordwesten und stürzt in dieser Richtung fast senkrecht auf den Scheidekamm zwischen Sperrbach- und Trauchbachthal ab, der, anfangs noch zackig, bald in die gerade Scheitellinie des Fürschiesser (7006' 2276 m. Sendtner) übergeht. Die südöstliche Kante der Oefnerspitze dagegen verläuft in einen hohen, gegen Nord und Nordost steilwandig abstürzenden, von Westen her von den Schuttfeldern eines in südwestlicher Richtung aufgeschlossenen Kars fast erreichten Felsgrates, der einen weiten Halbkreis von Nord nach Ost und Süd beschreibt.

Eine minder beträchtliche Erhebung in der Mitte dieses Bogens bezeichnet den Ablösungspunkt der Hornbacher Kette, die nicht weit von den Krotenköpfen zu ihrem ersten bedeutenden Gipfel, dem Ilfenspitz, auch Marchspitz genannt (8025' 2607 m. Kat.) sich erhebt. An das südliche Ende des Bogens, der Oefnerspitze wieder gerade gegenüber, tritt mit senkrechter Wand von ca. 1000' [300 m] Höhe der Hauptgipfel der Krotenköpfe, vom Kataster unter dem Namen Hermannskarspitz (8167' 2653 m.) aufgeführt. Er steht, wie der Hochvogel, aussserhalb des wasserscheidenden Kammes, als erster Gipfel auf dem Seitenaste, welcher über den Felsrücken des Karrerjochspitzes und des Strahlkopfes zur Pyramide des Rothhorn gegen Süden hinauszieht, dann umgebogen gegen Osten das Bernhardsthal bis zu seiner Ausmündung gegen den Lech, bei Elbigenalp begleitet. Eine breite Schulter setzt der gewaltige Kegel gegen Osten, in's höchstgelegene Kar dieses Thales nieder und von der Einsattelung, welche dieser Seitenbau gegen das Gipfelhaupt hin bildet, schiesst das bereits erwähnte Firnfeld in nördlicher Richtung herab; durch den Grat der Hornbacherkette erscheint es, vom Illerthale und den nördlich gelegenen Gebirgen aus gesehen, in seiner untern Hälfte abgeschnitten.

Die Benennung des höchsten der Krotenköpfe ist eine äusserst schwankend und ich bleibe bei dem Name Grosser Krotenkopf, welcher auch von Waltenberger adoptirt wurde; von den Jägern wird er wohl auch Petersspitze genannt, da er die Petersalpe, (das hinterste Hornbachthal) beherrscht; im Hornbachthale werden die Krotenköpfe insgesammt als Marchspitzen bezeichnet. Den vom Kataster gebrauchten Namen Hermannskarspitz bekam ich, solange ich Bergtouren im Algäuer Gebirge machte, niemals zu hören, was mich veranlasste, ihn aufzugeben; ich erfuhr jedoch in der Folge, dass in Elbigenalp und einigen anderen Ortschaften des Oberlechthales diese Benennung allerdings gebräuchlich sei.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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