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Home XII. Die Krotenköpfe Oberstdorf [1869] Sperrbachalpe
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 II. Aus den Algäuer Alpen [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XII. Die Krotenköpfe

Spielmannsau

Um 1/2 9 Uhr verliess ich Oberstdorf und wanderte in's Trettachthal hinein; nach 1 1/2 Std. war die Spielmannsau erreicht und hier hielt ich noch kurze Erfrischungsrast. Die Erkundigungen über den Zustand des Sperrbachtobels, für dessen Passirung die Jahreszeit schon etwas vorgerückt war, ergaben kein sonderlich günstiges Resultat. Es hiess, die Lawinenschnee-Brücke sei nicht mehr passirbar, theilweise bereits eingebrochen, erst vor wenigen Tagen sei beim Betreten derselben Jemand in den Bach hinabgefallen; wie gewöhnlich, ohne weitere schlimmere Folgen, da ihrer mehrere waren und der Verunglückte wieder heraufgezogen werden konnte. Allein hindurchzugehen, wurde mir entschieden missrathen. Ich gedachte übrigens doch, erst selbst nachzusehen; war die Brücke vor einigen Tagen bereits eingebrochen, so stand nach der Hitze und den Gewitterregen der jüngsten Zeit von ihr wohl nur wenig mehr; zweimal bereits war ich auf dem Schneegewölbe durch den Sperrbachtobel gegangen, das drittemal konnte ich der Abwechslung halber unter seinen Ruinen hinweggehen.

So setzte ich denn um 1/2 11 Uhr den Marsch fort, über die Thalwiesen zum Unteren Knie (3297' 1017 m. Sendtner), dann thalein den herrlichen Waldweg hoch über der Trettach bis zur Ausmündung der Sperrbachschlucht; weiterhin den Zickzackpfad über die steilen Grashänge hinauf zur kleinen Kapelle des Oberen Knie (4228' 1373 m. Sendtner). Hier sah ich unterhalb des Weges Leute mit der Heuernte beschäftigt. Alle hatten Eisen an den Füssen, denn ihre Arbeit führte sie an den jähnen Lahnen umher, die wenig Schritte weiter von den Wänden der Sperrbachschlucht abgeschnitten werden; mit den Rechen ziehen sie das abgemähte Gras in kleinen Partieen nach gesicherteren Plätzen, um es von diesen in schweren Lasten auf dem Kopfe wegzutragen. Ich stieg etwas zu ihnen hinunter und befragte sie nach dem Sperrbachtobel. Der Schnee, hiess es, sei völlig eingebrochen, das Passiren ganz und gar unmöglich. Ersteres hörte ich gar nicht ungern und erlaubte mir die daran geknüpfte Schlussfolgerung umsomehr zu bezweifeln, als derselben die Bemerkung beigefügt wurde "wenn ich einen Führer nähme, ging es vielleicht" – vielleicht geht es auch ohne Führer.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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