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Home VIII. Das Thannheimer Gebirge Von den Kelleralpen [Sabachtal-Galtalpe] auf die Gernspitze [Gehrenspitze]; Ausblick Die Rothe Flüh [Gimpel]
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 II. Aus den Algäuer Alpen [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 VIII. Das Thannheimer Gebirge

Abstieg nach den Gernalpen [Gehren-Alp]; quer über das Gebirge nach den Nesselwängler Alpen

Aus dem Thale herauf drang der Schall der Glocken, sie erinnerten meinen Führer, dass er um 10 Uhr zur Kirche müsse, und wir brachen um 8 Uhr wieder auf. Eine Strecke weit wanderten wir in östlicher Richtung den Grat entlang, welcher mässig steil fällt und ziemlich ausgiebig bewachsen ist. Dann stiegen wir in einem der vielen Einrisse, welche die Südflanke des Gebirges durchschneiden, in's grüne Becken der Gernalpen [Gehren-Alp] nieder. Der Graben war steil, stellenweise deckten glatte Lahnen seinen Boden, zu unterst engten Felsmauern seine Sohle ein, über die letzten, scharf abgebrochenen Mauerstufen kamen wir auf die Schuttfelder herab und bald darauf betraten wir die Alpwiese. Im nahen Westen löst der Grat des Hahnekamm (5960' 1936 m. Pechmann Not. z. Höhen- und Profilkarte Tirols) [Hahnenkamm, 1938 m] vom Hauptzuge des Gebirges sich ab, ein breitwelliger, grüner Bergrücken, mit wenigen, lichten Gehölzen besetzt. Sein äusserster südlicher Vorsprung, die Gachtspitze (6108' 1984 m. Pechmann) [Gaichtspitze, 1986 m], scheint mit den Gebirgen des Birkenthales [Birkental] zu verwachsen, während thatsächlich die tiefe Schlucht des Weissenbaches [Weißenbach], der Pass Gacht [Gaichtpaß], beide Gruppen trennt. Hier schied ich von meinem Führer, der ostwärts nach Reutte hinunterstieg; ich hatte dagegen in westlicher Richtung die ganze Gebirgsflanke zu queren, um, wie in den Morgenstunden den östlichen, so zur Mittagszeit des westlichen Eckgipfel des Gebirges zu gewinnen und damit meine Aufgabe einem befriedigenden Abschlusse entgegenzuführen.

Ein gebahnter Alpenpfad leitete mich über das theils begraste, teils schuttdurchstrichene Seitengehänge der Bergmulde, ich hatte vorerst die Gernspitze [Gehrenspitze] zu umgehen und den Gratübergang an ihrem westlichen Fusse in's Kar der Kelleralpen [Sabach-Galtalpe] hinüber zu gewinnen; letzterer lag ziemlich hoch über mir, ich konnte aber von der horizontalen Querlinie vorerst noch nicht abweichen, da die schroffen Absenker des Steilwandmassivs der Gernspitze zu tief in's Gehänge herabgriffen. Vom westlichen Rand der Mulde begann ein halbstündiger ermüdender Anstieg über steile Grashalden und Erdrutsche hinauf zum Grat. Dieser wurde überschritten und hart am Fusse der Mauern, welche seine westliche Forterstreckung auf die Weidegründe der Kelleralpen niedersetzt, die Mulde der letzteren gekreuzt. Ein paar hundert Schritte Anstieg brachten mich neuerdings auf den Grat, an den Fuss des Kellerschrofen [Köllenspitze/Kellespitze]. Nun hielt sich mein Weg wieder an der Südflanke des Gebirges, Kar ein, Kar aus, in umgekehrter Richtung, wie Tags vorher, aber mit etwas klarerer Formulirung meiner Absichten. 3 Stunden nach Verlassen des Gipfels der Gernspitze [Gehrenspitze] trat ich auf den Höhenrand des Beckens der Nesselwängler Alpen [Gimpel-Alp] wieder aus, und in schrägem Abstiege, die Nesselwängler Scharte zur Rechten, den grünen Alpenboden zur Linken lassend, wanderte ich in's Kar herunter, dessen weit gegen Westen sich dehnende und hebende Einbuchtung bis an den Fuss des neuen Zieles mich geleiten sollte.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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