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Home X. Die Trettachspitze an der Mädelegabel Erklimmen des Horns, Grat über den Wilden Gräben Ein Vis-à-vis auf der Mädelegabel. Frühstücksbereitung auf dem Gipfel
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 II. Aus den Algäuer Alpen [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 X. Die Trettachspitze an der Mädelegabel

Das Felsenhaupt

Höher und luftiger klommen wir empor; der Grat blieb am Schärfe und Steile sich gleich, doch lag die schlimmste Strecke mit den jähen Abstürzen und den vielen losen Blöcken ziemlich bald nach Beginn des Gratanstieges hinter uns. Näher rückten uns die gelblich gefärbten, überhängenden Felsmassen des Gipfels; an ihrem Fusse angekommen, lenkte Baptist nach der rechten Seite, in die Nordflanke der Trettachspitze ab. Er meinte, eine Umgehung könne wahrscheinlich auch in entgegengesetzter Richtung, über die Abgründe der Wilden Gräben hinweg, bewerkstelligt werden, doch habe er sich davon noch nicht durch einen eigenen Versuch überzeugt und wolle lieber die Linie seiner früheren Ersteigungen einhalten.

Wir querten einige Schrofenmassen und hatten dann eine schmale, stark abschüssige Schutteinlagerung zu passiren, die an den Wänden über dem Firnkeller ihr Ende erreicht. Ihr nicht loses, sondern compaktes Gerölle machte die wenigen Schritte, die hinüber nach dem jenseitigen Felsenrande zu tun waren, sehr unangenehm, umsomehr, als diese Schritte in horizontaler Querlinie, an einer Stelle sogar etwas absteigend, zu thun waren. Würde man im Geschröfe diesseits einen tieferen Durchgang suchen, sodass der Schuttplatz aufsteigend zu überschreiten wäre, so würden die Schwierigkeiten sich unzweifelhaft bedeutend mindern.

Drüben hatten wir wieder massig übereinander gehäufte Felsbänke, Einrisse und querlaufende Gesimse gaben allerwärts Haltepunkte, die Anstiegslinie war freierer Wahl, als vorher, überlassen; eine schräg gegen Rechts hinanziehende Schuttrinne vermittelte den letzten Anstieg nach dem Gipfel; aus ihr emportauchend fassten wir den Grat, welcher, entgegen der anscheinenden Schärfe der Gipfelspitze, einen horizontalen, 10-12 Schritte langen, von Süd nach Ost gekrümmten Bogen beschreibt, breit genug, um bequem darauf herumzuspazieren.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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