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Home XIII. Der Urbeleskarspitz in der Hornbacherkette Der Urbeleskarspitz; Höhenverhältnisse Besuch von Gemsen
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 II. Aus den Algäuer Alpen [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XIII. Der Urbeleskarspitz in der Hornbacherkette

Umfassende Aussicht

1 1/2 Stunden hatte der Anstieg vom Urbeleskar, 3 1/2 St. der gesammte Heraufweg von Hinter-Hornbach gewährt. Die Aussicht war von unvergleichlicher Reinheit. Den nördlichen Horizont säumen die Wellenlinien der Schwäbischen Alp [Schwäbischen Alb], die dunklen Bergmassen des Schwarzwaldes, unter diesen hin breitet im fernen Nordwesten der Bodensee seinen blauen Spiegel aus, das Fernrohr unterscheidet auf ihm die Dampfschiffe, welche von Ufer zu Ufer kreuzen. Weit hinaus dehnt gegen Norden sich das flache Land; in seine hellschimmernde Fläche, in das Gewoge der Berge, die in immer sanfteren Wellenschlägen dort hinaus sich verlieren, sticht scharf das nahe Horn des Hochvogel hinein, er deckte, wäre selbst er der höhere, dem Urbeleskarspitz weit weniger an Aussicht, als seinem Besucher durch eben den Urbeleskarspitz und dessen Gesellen in der Hornbacherkette verschlossen wird.

Im Osten die breite Masse des Wetterstein mit der Zugspitze; zu ihren Seiten ferne Zacken aus dem Karwendel- und dem Mieminger Gebirge. Im Westen die dreifache Staffage des verketteten Algäuer Gebirges mit seinen wohlbekannten Gipfelgestalten, – des Bregenzer Waldes mit seinen langgestreckten, dunklen Höhenzügen und des Rheinthaler und Vorarlberger Gebirges mit den weisslichen Kalkstöcken des Säntis und Altmann, dem glänzenden Schneescheitel der Scesaplana [Schesaplana].

Im Süden ein funkelnder Gletscherkranz von den Berner Alpen bis zu den Tauren [Tauern]; die flachen Firnzelte des Venediger glaube ich deutlich erkannt zu haben. Tief zu Füssen liegt das grüne Lechthal mit den Ortschaften Elbigenalp, Griesau, Heselgehr [Häselgehr] und Elmen; aus den Lechalpen heraus münden die langen, geradelinig gezogenen Thäler, Madau-, Griesau-, Gramaisthal, mit ihrem unschätzbaren Waldreichthume, der wie grünes Wollkleid die niedrigen Ausläufer des Gebirges umhüllt. Doch hat auch in diese Thalwinkel der Holzspekulant aus Norddeutschland, aus Holland, seinen Weg bereits gefunden, und manch' kahl geschorene, braune Bergflanke beweist, dass er sein Geschäft gemacht. Tief hinein dringt der Blick, die Wege und Giessbäche entlang zu den Weitungen, den Terrassen und Alpwiesen dieser Thäler, zählt ihre Häuser und Hüttchen und findet seine Schranke in ihren innersten, weit geöffneten Kesseln, mit Schutt und Schnee erfüllt, am Fusse der mächtigen Felsengipfel. Im Südosten zieht namentlich das freundlich grüne Pfaflarthal die Aufmerksamkeit auf sich, mit dem Kirchdorfe Bschlaps, dessen Häuschen auf wiesenreichen Bergstufen über der engen Thalschlucht zerstreut hin liegen; es zeigt dem Auge den Weg nach einem der hervorragendsten Gipfel der Lechalpen, dem Muttekopf, welcher jedoch in seiner formlosen, breitkuppigen Gestalt die Erwartungen, die man von ihm hegen mochte, gewaltig enttäuscht.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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