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Home III. Die Göllkette Die Aichenköpfe Hochscharte und Kuchler Göll; wahrscheinlich erster direkter Uebergang
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 I. Aus den Berchtesgadener Alpen
 III. Die Göllkette

Kartographische Bedenken

Die Keil'sche Karte*) lässt die Kette des Kuchler Göll am Gamsarchen vom Hohen Göll sich ablösen, zunächst zur Grünwand sich erheben und im südlich ausgebogenen Halbkreise zum Freieck (dem Kuchler Göll) herüberziehen. Doch scheint mir diese Struktur nicht in voller Richtigkeit zu bestehen; die Kuchler Göllkette verläuft fast geradlinig gegen Osten, die Grünwand dagegen ist ein kurzer, in die Blüntau [Bluntau] vortretender Seitenzweig, der seinen Ursprung an den Aichenköpfen nimmt und den Kessel "Im Aichen" [Im Archen] vom grossen Kar an der Hochscharte trennt. Zwischen dem Gamsarchen und der Hochscharte gehören die Aichenköpfe [Archenköpfe] aufgeführt, eben jene dreifache Zackengruppe, welche so augenfällig aus dem Profile der Göllkette sich heraushebt und auch eine nicht unbeträchtliche Höhe, mindestens 7200' 2339 m. besitzen mag. – Hinbei kommt noch zu bemerken, daß Bayerischer Seits unter den Aichenköpfen nicht selten die Erhebungen im Brettriedel verstanden werden; jedoch unrichtiger Weise; die wahren Aichenköpfe liegen eben in der Kette östlich des Hohen Göll.**) –

*) Begleitkarten zur Reliefkarte der Deutschen Alpen von F.X. Keil

**) {Großer Archenkopf, 2390 m. – Die heutigen Karten haben sich die von Barth als bayerische Bezeichnung angeführte Namengebung zu eigen gemacht, die Lage der heute so genannten Archenköpfe (bei Barth "Aichen-", auch "Eichenköpfe") ist auf Barths Horizontalprofil etwa durch den Namens "Gamsarchen" richtig bezeichnet; der auf dem Kuchler Kamm schwarz eingezeichnete "Große Aichenkopf" dürfte etwa dem Taderer (2299 m) entsprechen. - "Im Aichen" (Archen) = das heutige Gamskar.}

Ueber diese Zähne also führte mein Weg gegen Osten, bald auf ihren ausgenagten Scheiteln, über dem Wilden Freidhof, welcher in unabsehbarer Tiefe fast senkrecht zu meinen Füssen lag, bald von dem allzu schroff durchrissenen Grate abweichend quer über die Mauerrippen, durch die Runsen und kleinen Trümmereinlagerungen der südlichen Gebirgsflanke, welche, wenn auch schlecht genug, doch zur Noth gangbar sich zeigte. – Langsam gewann ich an Boden, fast eine Stunde währte es, bis ich über alle drei Zacken hinweg war und auf dem äussersten derselben stehend in das breite, gerundete Trümmerkar der Hochscharte hinunter sah. – Treppenförmig abgestuftes Geschröf gestattete trotz des beträchtlichen Neigungswinkels einen ziemlich unschwierigen Abstieg; über gehäufte Plattenhügel wanderte ich die letzte Strecke zum Kesselboden hinunter, welcher sodann in gerade Linie, nahe dem aussichtsreichen, gegen Norden schroff abbrechenden Rande überquert wurde. Die Höhe dieses starken Gebirgseinschnittes schätze ich zu etwa 500' [ca. 160 m] unter dem Niveau des östlichsten der Aichenköpfe gelegen, sohin auf etwa 6700' 2167 m.*)

*) Als ich fünf Jahre später das Haagengebirge besuchte, theilte der Blühnbacher Jäger, welcher dort mein Begleiter war (vgl. Cap. 7 dieses Abschnittes), mir mit, dass die Hochscharte nicht allein aus der Blüntau [Bluntau], sondern auch aus dem Wilden Freidhof zugänglich sei, trotz ihres anscheinend schroffen Absturzes nach jener Seite; sie bildet daher einen Pass aus der Blüntau in's Salzachthal. Freilich wird die Benützung desselben weder mit Bequemlichkeit, noch mit Zeitersparniss verbunden sein, da in nicht gar weiter Entfernung die Göllkette überhaupt ihr östliches Ende erreicht. – Von dem gleichen Jäger erfuhr ich auch, dass aus dem Wilden Freidhof noch ein anderer, wiewohl sehr schlechter Steig zum Göllgrat hinauf, sowie ein anderer direct auf den Hohen Göll führe.
{Die nächste überlieferte Überschreitung unternahmen Dr. Fünkh und Jos. Poeschl mit Kederbacher in der Zeit zwischen dem 14. und 20. September 1870. In Kederbachers Führerbuch S. 30 ist darüber zu lesen: "Kederbacher leitete auch die Partie bei einem von uns unternommenen Abstieg vom Großen Göll auf den Kleinen Göll mit Abstieg in die Alpwinkel-Alpe. Auch dieser Weg ist, so viel uns bekannt, das erste Mal begangen worden. Dr. Fünkh, Poeschl." – Unter "Kleinem Göll" ist hier das Freieck zu verstehen. – Den Barth'schen Gratübergang erwähnt auch Josef Rabl in seiner Schrift "Golling und seine Naturschönheiten" (Selbstverlag, etwa 1875) auf Seite 38.}


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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