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Home VII. Das Haagen-Gebirge Mit einem Blühnbacher Jäger durch das Hundskar auf die Gebirgshöhe Durch den Tiefenbach zum Jägerhüttchen auf der Hirschwiese; Ausblick auf dem Lengthalthörl
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 I. Aus den Berchtesgadener Alpen
 VII. Das Haagen-Gebirge

Enttäuschung bezüglich des Gebirgscharakters

Nach kurzem Aufenthalte setzten wir die Wanderung fort, zunächst nach dem Jägerhüttchen an der Hochwiese, dem Zielpunkte meines Begleiters. Ich selbst entfernte mich dabei allerdings von meinem nächsten Ziele, dem Hochg'schier [Hochgschirr], nach welchem ich den Anstieg alsbald hätte beginnen können. Doch hatte ich von einem solchen Umwege einen mehrfachen Vortheil: erstlich erhielt ich am Jägerhüttchen Wasser, das ich vom Blühnbachschloss mitzunehmen versäumt hatte, im Hundskar nicht mehr erhielt und auf der trockenen Wüste des Hochplateaus noch weniger erwarten durfte. Ausserdem meinte der Jäger, er wolle, wenn er nur erst seinen schweren Proviant abgeladen, mit mir auf's Hochg'schier gehen, da ihm doch nichts darauf ankomme, seinen Jagdgang in diese oder jene Gegend zu machen. Auch damit war ich gerne einverstanden, sowohl mit Rücksicht auf die Lokalangaben, die ich von ihm erwarten durfte, als auf den Charakter der Witterung, welche vielleicht doch nicht hinreichend sich klären mochte, um auf dem Hochplateau, das ich als völlig Unbekannter betrat, eine sichere Orientirung zu gewinnen. Endlich gedachte auch ich einen Theil meiner Bürde im Jägerhüttchen zurückzulassen, denn meinen ursprünglichen Plan, nach Golling zu wandern, hatte ich aufgegeben. Fand ich ein geeignetes Nachtquartier auf der Höhe des Gebirges, wie die Wohnung des Jägers mir es bot, so konnte ich meine Rückwanderung nach Berchtesgaden statt durch die Blüntau [Bluntau] und über das Torrener Joch weit vortheilhafter über das Haagengebirge selbst nehmen, welches ich auf solcher Kreuzlinie weit genauer kennen lernte als mit blosser Streifung seines Randes.

Nach einer halben Viertelstunde war die Höhe erreicht, welche bisher den Norden unseren Blicken verborgen gehalten hatte. Wäre klarer Himmel gewesen, so hätte ich erwartet, die zackige Göll-Kette dort aufsteigen zu sehen – aber bei den massenhaft umherziehenden Nebeln war davon keine Rede. Um so mehr war ich überrascht, bei Betreten des Höhenrandes in der That abgetrenntes Gebirge vor uns zu erblicken, – mein Begleiter belehrte mich darüber, dass wir dort die Hirschwiese [Hochwies] vor uns hätten. Diess, fügte er bei, sei der günstigste Aussichtspunkt für das ganze Haagengebirge. –


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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