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Home VII. Das Haagen-Gebirge Ueber die Thalung des Dottermanndl auf den Riffelkopf; eine unvermuthete Wegschranke Auf den Oberschottwiesenkopf. Panoramenzeichnung, Entdeckung des wahren Culminationspunktes im Haagengebirge
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 I. Aus den Berchtesgadener Alpen
 VII. Das Haagen-Gebirge

Plötzlicher Ausblick; Salzach- und Gasteiner Thal

Das Nebelwetter, welches vom Jägerhüttchen bis auf diesen zweiten Gipfelscheitel uns geleitet hatte, war hoffnunggebend und ärgerlich zugleich; denn so schwarz und schwer auch die Wolken zogen, handelte es sich doch keineswegs um Regen, – die seltenen Aufrisse zeigten uns in geringer Ferne sonnenbeleuchtete Berge und heiteren blauen Himmel. Nur von unserem Haagengebirge wollte die Dunstmasse, die sich nächtlicherweise nun einmal dort festgesetzt hatte, nicht wanken noch weichen. Auch auf der Riffel [Rifflkopf] sahen wir längere Zeit hindurch nicht viel mehr als die nächste Felsumgebung – zuweilen das Hochg'schier [Hochgschirr] und im Norden den höchsten der Schottwiesenköpfe, welcher sich als höher erwies, als unser eigener Standpunkt und als gleich hoch mit dem Hochg'schier. Der Besuch dieses dritten Gipfels war damit beschlossen und ich war schon bereit, sofort wieder aufzubrechen und die Aussichtshoffnungen auf jenen letzten Culminationspunkt zu bauen, als mit wunderbarer Plötzlichkeit die Riffel selbst das lang Ersehnte bot. Im üppigsten Grün lag zu unserer Füssen das Salzachthal, aus der Enge des Pass Lueg, wo der Bahnbau seine weissen Schuttbänder am Gebirgsfusse hinzieht, windet es sich heraus in die fruchtbare Ebene von Werfen; weit gegen Süden dringt der Blick, über Bischofshofen und St. Johann hinein in's Gasteinerthal, wo die dunklen Vorgebirge der Tauren [Tauern] sich erheben, der Ankogl und Hohenaar [Hocharn] ihre Firnen ausbreiten. Im Osten das gewaltige Tennengebirge, eine wogende Felsenwüste, der unseren gleich; im Südwesten die meilenweite Schneefläche der Uebergossenen Alp.

Das Kar, das im Nordosten zu unseren Füssen lag, zeigte sich nun umgränzt von hohen, prallen Felsmauern, in spitzen Ecken gegen den Pass Lueg vorspringend; andererseits spreizt ein auffällig erhobener, gen Nordwesten fast senkrecht abstürzender Felsgipfel weit in's Hochplateau sich hinein – es ist der Tristkopf (6480' 2105 m. Keil) [2110 m], ebenfalls in der Randkette des Haagengebirges gelegen. Die Namen Brunnkarwand und Pfeiferkogl, welche einzelnen Erhebungen dieser Randkette der Keil'schen Karte nach zukommen, waren meinem Begleiter bekannt, von einem Wasserstein, der in nächster Nähe der Riffel die verhältnismäßig beträchtliche Höhe von 6923' 2249 m. [Wassersteinkopf, 2223 m] erreichen sollte, wusste er jedoch Nichts. Hier waren unsere einzig bedeutenden Nachbarn offenbar die Oberschottwiesenköpfe [Hochschottwies] und diesen steuerten wir nach 3/4-stündigem Aufenthalt auf der Riffel entgegen.


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Letzte Aktualisierung am 29. August 2018

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