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Home VII. Das Haagen-Gebirge Pläne auf's Tannthalgebirge. Neue Bedenken und schliesslicher Protest des Jägers: das Tannthal ist gebanntes Revier Neue Debatte; specieller Vermittelungsvorschlag vom Jäger proponirt, von mir acceptiert
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 I. Aus den Berchtesgadener Alpen
 VII. Das Haagen-Gebirge

Tannthal – Hinterauthal

Das war also des Pudels Kern! Wieder einmal ein Jagdbann auf freiem Gebirge – im Berchtesgadener Alpenland ein zweites Hinterauthal. Einen Unterschied freilich zwischen beiden anzuerkennen, konnte ich nicht umhin; es handelte sich hier um eine Absperrung weit geringerem Umfanges, als dort an den Quellen der Isar; nach Analogie des Fürsten Hohenlohe müsste die Jagdgesellschaft Blühnbach das ganze hintere Blühnbachthal absperren und am Jagdschlosse jeden Wanderer zurückweisen*).

Aber unglücklicherweise liegt eben der Gipfel des Gebirges in jenem kleinerem Umkreis. –

Auch berief sich der Blühnbacher Jäger in seiner entschiedenen Weigerung auf seine Instruktion und die Verpflichtung seines Dienstes – nicht auf die Gewalt seiner Büchse – ebenfalls ein bemerkenswerther Abstand gegen die Gepflogenheit im fürstlich Hohenloheschen Revier. Eine mir ertheilte Erlaubniss seines vorgesetzten Oberjägers zum Besuche der Tannthalgebirge wäre vermutlich nicht auf die Hinterauthaler Erwiderung gestossen: "Sie gehen mir doch nicht hinein". –

Unser gegenseitiges Verhältniss war infolge dessen ein wesentlich anderes, als jenes, wie es im Hinterauthale sich gestaltet hatte. Ich musste dem Jäger unumwunden einräumen, dass er den gegebenen Verhältnissen zufolge wohl nicht anders handeln könne; machte ihn jedoch auf die Unbilligkeit derartiger Vorschriften sowie darauf aufmerksam, dass die Schrift und ihre Oeffentlichkeit Wege biete, den Erlassern solcher Willkürgesetze grössere Verdriesslichkeiten zu bereiten, als ein versprengtes Rudel Gemsen; – und dass ich schließlich, wenn nicht in diesem Jahre, so doch in einem nächsten meinen Weg auf's Tannthal eben so gut finden würde, wie ich in's Rossloch meine Wege gehen kann, ohne nach Fürst noch Jäger zu fragen. Nur etwas befremden werde es die Welt, wenn man zu Zwecken, wie ich sie verfolge, den Deckmantel der Nacht aufsuchen, – die Pfade des Wilddiebes wandeln müsse. –

*) {Dies ist tatsächlich eingetreten, als der (1914 ermordete) österreichische Thronfolger Erzherzog Ferdinand Jagdherr in Blühnbach war. Das ganze Tal und die Übergänge über das Blühnbachtörl, die Mauerscharte und die Torscharte wurden für die Öffentlichkeit im allgemeinen und den einzelnen Touristen im besonderen das ganze Jahr hindurch völlig abgesperrt. Man errichtete sogar beim Blühnbachschloß eine Gendarmerie-Station, um die von den Gebirgen Herniedersteigenden oder vom Salzachtal Hereinkommenden abzufangen und aus dem Tale hinauszuweisen. Wiewohl auf Max Zellers lebhafte Anregungen hin der D.u.Ö.A.V., insbesondere die Sektion Salzburg, und verschiedenste Fremdenverkehrsvereine sich für eine Änderung der Verhältnisse einsetzten, wurde vor dem Kriege so gut wie nichts erreicht. Unter dem heutigen Jagdherrn, Krupp v. Bohlen-Halbach, erwachsen dem Bergsteiger und Wanderer keine Schwierigkeiten mehr. – Der Barth'sche Vergleich im Hagengebirge mit jenen im Hinterauthale wird den Lesern verständlicher nach Lektüre der betreffenden Karwendel-Aufsätze, insbesondere des Kapitels "Im Roßloch".}


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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