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Home VI. Die Hocheisspitze Ersteigung und Enttäuschung Gratübergang nach der Hocheisspitze
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 I. Aus den Berchtesgadener Alpen
 VI. Die Hocheisspitze

Der Hocheiskopf. Correspondenz nach dem Kammerlinghorn

Nachdem übrigens der erste Aerger über die erfahrene Täuschung sich verlaufen, die ruhigere Erwägung Platz gegriffen hatte, dass meine Ersteigung der Pseudo-Hocheisspitze mich an einer nachfolgenden Ersteigung der wirklichen Hocheisspitze ja nicht zu hindern brauche, fing ich an, über meinen Irrgang mich zu trösten und sogar eine gewisse Befriedigung über denselben zu empfinden. War es auch kein Gipfel ersten Ranges, ein selbständiger Gipfel war es immerhin, auf welchen ich gelangt war; ich konnte mich aus dem Bilde der Kammerlinghornkette, wie ich dasselbe aus Südosten, von den Randgipfeln des Steinernen Meeres aus zu sehen bekommen, auf den Punkt gar wohl besinnen, welchen ich in diesem Bilde gegenwärtig einnehmen mochte. Ein rundlicher Felsenkopf, vom Hochkammerlinghorn durch eine enge und unverhältnissmässig tiefe Durchspaltung des ganzen Gebirgskammes getrennt, noch ziemlich im geraden Verlaufe des letzteren, nahe an seinen Wendepunkt gegen Nordosten, zur wahren Hocheisspitze hin, gestellt.

Es lag aller Grund vor, anzunehmen, dass dieser abgelegene Gipfel seinen ersten Besuch von mir erfahren haben mochte, so wie mir auch niemals Namen und Höhenangabe für denselben bekannt wurde; die Keil'sche Karte verzeichnet an seiner Stelle nicht einmal einen Culminationspunkt im fortlaufenden Grate, was immerhin als ein Mangel bezeichnet werden muss. Seiner Stellung unmittelbar über den Karen des Hocheises und seinem der Hocheisspitze gegenüber untergeordneten Range entsprechend gab ich ihm den Namen Hocheiskopf und schätze im Vergleiche mit der nahen Hocheisspitze seine Höhe zu etwa 7680' 2495 m [2506 m]. Der Anstieg von Hirschbühl [Hirschbichl] auf diesen ersten Gipfel hatte etwas über 4 Stunden gewährt; meines Bleibens auf demselben war natürlich nicht lange, nachdem das eigentliche Ziel meiner Wanderung sich auf einen neuen Punkt verlegt hatte. Nach wenigen Minuten schon gaben neue Rufe der Gesellschaft auf dem Kammerlinghorn drüben meinen Abmarsch bekannt. Ob sie meine Worte und Geberden verstanden, welche auf das neue Ziel hinüberwiesen, weiss ich nicht, in der Folge erfuhren sie jedenfalls, was von mir beabsichtigt und erreicht wurde.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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