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Home V. Auf den Gipfeln der Reitalm *) V. Auf den Gipfeln der Reitalm *) Umrundung des grossen Hochplateaus. Die Grundübelau
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 I. Aus den Berchtesgadener Alpen
 V. Auf den Gipfeln der Reitalm *)

Der Name Reitalm *)

Im äussersten Westen der Berchtesgadener Gruppe erhebt sich isolirt ein Tafelgebirge, wetteifernd mit dem Steinernen Meere, wenn nicht an Ausdehnung, so doch an Oede und Zerrissenheit. Als Wahrzeichen des Ramsauer Thales tritt es dem Wanderer entgegen, das breite, wellengipfelige Bergmassiv, dessen Häupter im Hintersee sich abspiegeln. In einem felsenkahlen Randklumpen zusammengedrängt, erscheinen seine Zinnen; nur ihrer eine, das Wagendrischelhorn, in seltsam regelmässiger Glockengestalt, erhebt sich vereinsamt auf seinem Sockel von Stein.

*) Ich glaube diesen Namen, dessen Schreibart noch zu den unentschiedenen Streitfragen zählt, am richtigsten vom "Reiten" abzuleiten. Noch heutzutage werden als die Alpen des Reitertretts auch Pferde aufgetrieben, und früher weideten die jungen Füllen sogar auf den Höhen des Reitersteinbergs; der Aufgang von den Reiteralpen nach letzterem führt davon noch jetzt den Namen Rossgasse. Die Gewohnheit, auch Pferde zur Bergweide zu treiben, war früher allgemeiner als gegenwärtig; so fand ich im Jahre 1873 ein altes Hufeisen sogar zwischen den zerspaltenen Plattenhügeln des Wagendrischelkars – gewiss kein sehr geeigneter Tummelplatz für Pferde.

{Diese unzutreffende Annahme über die Herkunft des Namens "Reitalm" hat schon Max Zeller in seinen Monographien über diesen Gebirgsstock (40. Jahresbericht der AVS Traunstein 1909 und Alpenvereins-Zeitschrift 1910) entsprechend berichtigt.
Das Gebirge trägt die Almen der Reiter, der Bewohner des Dorfes Reit im Saalachtal, weshalb der Volksmund den etwas größeren, vegetationsreicheren nördlichen Teil des Gebirgsstockes kurzweg mit Reitalm oder Reiter Alm, den kahlen, gipfelreichen südlichen Teil dagegen mit dem Namen Reiter Steinberg (ähnlich den benachbarten Stöcken des Loferer und Leoganger Steinbergs) bezeichnet. Die in der neueren Zeit in das alpine Schrifttum und auf die Karten übergegangene Schreibweise Reiteralpe für das ganze Gebirge ist, in ein Wort zusammengeschrieben, sprachlich unrichtig. Reiter Alpe oder Reiter Alm wären die zutreffenden Schreibungen bei der Zusammensetzung mit einem Ortsnamen; nachdem aber schon der Volksmund damit nur einen bestimmten Teil – eben die Almen – benennt, so wäre für den ganzen Gebirgsstock der Name Reiter Gebirge, wie er auch im Salzburgischen gebräuchlich ist, der richtige.}


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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