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Home V. Auf den Gipfeln der Reitalm *) Der "Böse Steig" aus dem Wagendrischelkar zur Halsgrube und nach Hintersee Hinab auf's Reitertrett
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 I. Aus den Berchtesgadener Alpen
 V. Auf den Gipfeln der Reitalm *)

Ueber den Brettstein auf den Reiter Steinberg. Wassernoth; Oasen in der Wüste

Ich brachte statt dessen eine Rückzugslinie über den Ostrand des Reitalm-Plateaus und den Abstieg nach Schwarzbachwacht in Vorschlag, und fand nach längerer Debatte auch Zustimmung. Steil ging es nun wieder eine halbe Stunde lang bergauf zum Brettstein (6249' 2030 m. Keil) [Plattelkopf, 2099 m], zur kahlen Scheitelfläche des Reiter Steinberges.

Allseits wurde über Durst geklagt; ich hatte bereits im Wagendrischelkar die Vorsicht gebraucht, meine Flasche mit Schnee zu füllen; da aber der letzte Rest von Flüssigkeit aus ihr bereits verschwunden gewesen war, so dauerte es entsetzlich lange, bis derselbe zu trinkbarem Stoffe sich umwandeln wollte. Dem nahezu völlig stockenden Vormarsche neuen Impuls zu geben, kreuzte ich in der Wüste der Karrenfelder umher, kleine Felskuppen ersteigend und hatte dann auch bald gefunden, was ich suchte, eine Plattengrube, auf der einen Seite stark abfallend, im Innern mit Schnee gefüllt; das sind die Oasen auf diesen wasserarmen Hochflächen. Der Schnee schmilzt vom Rande ab, an seiner Unterfläche stärker als auf der Oberfläche und bildet da, wo der Boden der Grube stark genug sich senkt, ein den letzteren überhängendes Schneedach; und in dem Masse, als von oben die Mittagssonne auf die Schneedecke brennt und dieselbe wegschmilzt, rinnen von der Innenwölbung der Höhle ergiebige Wasserstrahlen zum Felsengrunde nieder. Wir lagerten uns im kühlen, feuchten Dunkel, tranken nach Herzenslust, sprachen nun auch gerne dem Proviant wieder zu, füllten endlich die Flaschen und setzten gestärkt und erfrischt unsere Wanderung fort.

Aber das schnellere Tempo, welches für einen Flachmarsch über eine so ausgedehnte Strecke gewünscht und bei meinem Plane auch in Rechnung gestellt worden war, wollte sich trotz alledem nicht einstellen, wir konnten kaum erwarten, vor Anbruch der Nacht an den Nordrand des Hochplateaus zu gelangen, und wie alsdann auf schmalem Steige über steiles Gehänge nach Schwarzbachwacht hinunter finden? –


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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