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Home V. Auf den Gipfeln der Reitalm *) Das grosse Häuselhorn, – der wahre Culminationspunkt der Reitalm Uebergang auf das Wagendrischelhorn; Zusammentreffen mit den Salzburger Touristen an unerwarteter Stelle
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 I. Aus den Berchtesgadener Alpen
 V. Auf den Gipfeln der Reitalm *)

Wie die Salzburger das Grosse Mühlsturzhorn ersteigen

Doch sieh! da bewegen sich schon die vier zwerghaften Gestalten die abschüssige Fläche des Brettstein [Plattelkopf] herunter, jetzt sind sie am Höhenrande des Wagendrischelkars angelangt, in dessen tiefem Kessel sie in der nächsten Minute verschwinden müssen – bin neugierig, ob ich sie auf der Spitze des Grossen Mühlsturzhorns [Stadelhorn] wieder werde auftauchen sehen! – Aber was treiben sie denn, diese Mühlsturzhorn-Besteiger? Da spaziert die ganze Gesellschaft gemächlich auf dem Höhenrande weiter, als ginge das Plattenkar dort unten so wenig sie an, als mich – wahrhaftig, sie sind über die Stelle des Abstieges schon hinaus – ho, ho – halt! – hinunter, hinunter! – quer durch's Kar, – von der Scharte weg ansteigen!! – – – verstanden wurde ich freilich nicht, aber meine gellenden Rufe hatten doch ihre Aufmerksamkeit erregt und die sie begleitenden Geberden mochten ebenfalls leicht errathen lassen, das sie sich auf falscher Fährte befanden. Wieder hielten sie an und traten zum Kriegsrathe zusammen; das Ergebniss musste ein negatives gewesen sein, denn die eingeschlagenen Marschrichtung wurde wieder aufgenommen. Ich erwartete, sie einen, jedenfalls fehlschlagenden Versuch zur Umgehung der Südseite des Wagendrischelhorns machen zu sehen. Aber nein, sie begannen, am nördlichen Abhange desselben hübsch langsam emporzusteigen. Ah, das ist also euer Grosses Mühlsturzhorn! – auf Wiedersehen denn da drüben, da soll euch Aufklärung werden – und rasch hatte ich meine Siebensachen zusammengerafft, wenige Minuten später war die Plattenrunse unterhalb des Gipfels wieder überschritten, so schnell, als die Steile es gestattete, ging's das Gehänge hinunter in's Kar; ich querte seinen Kessel, um möglichst wenig Zeit zu verlieren, in höchster Zone, ganz nahe dem zahnigen Gratrande, hatte dabei zwar manche von diesem ausstrahlende Felsrippe zu überklettern, gelangte aber doch sehr bald in die letzte breite Schuttmulde, von welcher ich den neuerlichen Anstieg an den sanft sich aufwölbenden Rundkegel des Wagendrischelhorns begann*).

*) Wagendrischelhorn, auf der Keil'schen Karte unter dem Namen Spitzhörndl, 6794' 2207 m [2251 m]. Die Angabe erscheint mir im Vergleiche gegen das Grosse Mühlsturzhorn als entschieden zu niedrig. Weit richtiger scheint Sendtner's Messung mit 6959' 2261 m. zu sein. – Das gewaltige Aufragen dieses Gipfels in das Skizze leitet sich allerdings zunächst davon her, dass derselbe dem Aufnahmspunkte ungemein nahe steht. Seine schlanke, steile Spitzgestalt besitzt er auch nur von dieser Seite gesehen.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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