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Home V. Auf den Gipfeln der Reitalm *) Wie die Salzburger das Grosse Mühlsturzhorn ersteigen Scharte am Nordwestfusse des Grossen Mühlsturzhorns [Stadelhorns]
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 I. Aus den Berchtesgadener Alpen
 V. Auf den Gipfeln der Reitalm *)

Uebergang auf das Wagendrischelhorn; Zusammentreffen mit den Salzburger Touristen an unerwarteter Stelle

Die jenseitige Gesellschaft, welche bald nach Verlassen des Häuselhorngipfels sich meinen Blicken entzogen hatte, erwartete ich mit Sicherheit bereits oben zu treffen, hatte sie ja den Anstieg schon angetreten, als ich vom Grossen Häuselhorn aufbrach. – Als ich jedoch nach viertelstündigem Anstieg über die Grölle und Schrofenstufen auf dem breiten Bergscheitel anlangte, fand ich diesen noch leer; und noch eine geraume Weile hatte ich zu warten, bis das Klappern des losen Felsgebröckels das Nahen der Anderen verriet. Voran der untersetzte, gelenkige und feurige Bergtourist, von welchem ich schon am Morgen dieses Tages dachte, wär' er für sich allein, er möchte wohl an's Ziel kommen, – und welcher, als er mich oben erblickte, mit den ärgerlichen Worten an seine Gefährten sich zurückwandte: "Habe ich es euch nicht gesagt, dass der Herr auch hier oben noch vor uns ankommt?" – dann alsbald die weitere Frage an mich richtete: "Nicht wahr, wir sind nicht auf dem Mühlsturzhorn?" – Als Antwort wies ich auf unseren nahen Nachbar im Südosten hinüber und in der That, höhnisch-gewaltiger als hier der blanke Kegel des Grossen Mühlsturzhorns [Stadelhorns] kann nicht leicht eine Bergzinne auf einen zurückgewiesenen Angreifer herabschauen. –

Aus jenem Bergtouristen entpuppte sich nun aber zu meinem freudigsten Erstaunen Herr Ludwig Doppler aus Salzburg, dessen Namen ich schon auf Dutzenden von Berchtesgadener Berggipfeln gelesen hatte; und nun war es mir auch wohl begreiflich, dass ein Bergsteiger, wie er, sich nur mit der Erreichung des Zieles seiner Wanderung zufrieden geben und keinen zufälligen Ersatz dafür annehmen, – dass er nur mit Missmuth auf einen Gebirgsausflug zurückblicken kann, welcher, auf das Grosse Mühlsturzhorn [Stadelhorn] gerichtet, ihn nicht auf das Grosse Mühlsturzhorn geführt hatte; nun waren aber mit den Worten "Da drüben steht Ihr Ziel, in anderthalb Stunden sind wir oben!" alle Lebensgeister mit einem Schlage wieder geweckt. Nach kurzem Aufenthalte verliessen wir in Gesellschaft das Wagendrischelhorn, nach dem nördlichen Fusse seines Kegels hinabsteigend; und hier angelangt, trat ich mit Herrn Doppler allein den Abstieg in's Wagendrischelkar an, als erste unabweisbare Bedingung eines erfolgreichen Angriffes auf das Mühlsturzhorn [Stadelhorn]. – Sein Gefährte blieb zurück und verlegte sich auf's Zusehen; die Pseudo-Führer von der Reitalm wurden, als von nun an – eigentlich von Anfang an – überflüssig, entlassen.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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