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Home II. Die Schönfeldspitze auf dem Steinernen Meere Weg über das Steinerne Meer nach der Buchauerscharte Ersteigung der Schönfeldspitze – viel Lärm um Nichts
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 I. Aus den Berchtesgadener Alpen
 II. Die Schönfeldspitze auf dem Steinernen Meere

Geologische Streiflichter

Stark zwei Stunden nach Verlassen des Funtensees wird über die letzten Hügel, über breit hingelagerte Schuttfelder weg das schmale Thor der Buchauer Scharte erreicht (7028' 2283 m. Keil) [2268 m]; über dem zackigen Felsenrande blinken silberhell die Taurengipfel auf, und unmittelbar nachfolgend erquickt weithin eine saftiggrüne Welt das Auge, ermüdet vom Schauen auf Stein und Schnee. Zu Füssen liegt die bevölkerte Thalebene der Urschlau [Urslau], hier ihrer Ausmündung ins Saalachthal nahe und den Ausblick auf die Gegend von Saalfelden gestattend; jenseits wieder Berge, aber weichgeformt, mit Waldungen und üppigen Alpenmatten überkleidet; sie umkränzen den freundlichen Zellersee, sie scheiden die Umgebung Saalfeldens von der traurigen Sumpföde des Salzachthales.

So anmuthig frisch sehen diese Höhen sich an, im Vergleiche mit den starren Felszinnen des Steinernen Meeres, man möchte in ihnen den lebensfrohen Jüngling erblicken gegenüber dem altersgrauen Greise mit sorgengefurchter Stirn. Ihr wahrer Taufschein aber belehrt uns eines ganz Anderen: ungezählte Jahresmillionen liegen zwischen dem Entstehen jenes Hügellandes aus den Thonschieferniederschlägen seines silurischen Meeres und der Zeit, da unser Steinernes Meer noch wahres Meer gewesen, auf seinem Grunde die Plattschichten übereinanderhäufte, die jetzt der Fuss des Bergsteigers überschreitet. Und blicken wird jetzt zurück auf's Taurengebirge des Steinernen Meers: da steht es gross vor unsern Augen, aus dem silbergrauen Plattenfels des Hochplateaus emporgetrieben und von ziegelrothen Gesteinsschichten wie mit einem zerfetzten Kleide behangen; der Mantel, den ein jüngeres Zeitalter (Lias) hier über den Dachsteinkalk gebreitet, vermochte nur in Trümmern der Nachwelt sich zu erhalten. –

Drüben aber, über den Bergen des Zellersees, lagern sich breit hin die Ausläufer der Centralalpen, dort baut im tiefinnersten Grunde des Fuscherthals das Chloritschiefermassiv des Grossglockner sich zusammen und erinnert und an eine Zeit, die weit noch hinter jener zurückliegt, aus welcher die Spuren des ersten Lebens auf der Erde in seltsam geformten Gesteinsabdrücken unserer Kenntnis überliefert sind; eine Zeit, in welcher das Meer, aus welchem unsere Berge nachmals emporstiegen, noch an den Saum des centralen Alpenlandes grenzte, und seine jenseitige Schranke erst am Schwarzwald, an den Gebirgen Mitteldeutschlands und Westböhmens fand.


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Letzte Aktualisierung am 29. August 2018

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