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Home I. Die Südliche Watzmannspitze Allgemeiner Ueberblick der Berchtesgadener Gruppe Beschreibung einer Tour auf die Südliche, eine Lücke in der Alpenliteratur [1868]
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 I. Aus den Berchtesgadener Alpen
 I. Die Südliche Watzmannspitze

Die Spitze des Watzmann

Nur um wenige Jahre liegt die Zeit hinter uns zurück, da der Watzmann mit seinen drei Spitzen in aller Bergsteiger Munde war, freilich nur um eine derselben, und eben die imaginäre, zu ersteigen und von ihrer Ersteigung zu erzählen. Der sogenannten Mittleren Spitze wurde so nebenher erwähnt mit der Bemerkung, dass man auf diese nicht gelangen könne, und endlich wussten manche Leute noch von einer Hinteren Spitze allerlei Abenteuerliches zu berichten. Einen kleinen Fortschritt in naturwahrer Schilderung der Gebirge und in dem Abstreifen althergebrachter Vorurtheile gerne anerkennend, kann ich sagen, dass bezüglich des Watzmanngebirges ein solcher Fortschritt zu vernünftiger Auffassung in den alpinen Schriften der letzten Jahre sich fühlbar gemacht hat. Das Hirngespinst einer Vorderen Watzmannspitze wurde durch Einführung der sachgemässen Benennung Nordeck für den Standpunkt des trigonometrischen Signals (8256' 2682 m. Keil) [Hocheck, 2651 m] verbannt, die beiden übrig bleibenden, wahren Watzmanngipfel fangen an in ihre Rechte einzutreten und durch die Benennung NördlicheSüdliche Spitze [Mittelspitze, 2713 m, und Südspitze, 2712 m] jeden dritten in ihrem Bunde auszuschliessen.

Ein Watzmannbesteiger, der er sein will, sieht sich allmälig auf einen der beiden Gipfel verwiesen; die sagenhafte Unbesteigbarkeit des Nördlichen ist durch mehrfache, in den letzten Jahren sogar ziemlich zahlreiche Besuche, die ihm abgestattet wurden, widerlegt, seine Ersteigung dem Bergfreunde, der fremde Erfahrung der eigenen vorzieht, in anschaulicher Weise bereits geschildert. Zwei felsentüchtige Bergsöhne Berchtesgadens, die Holzknechte Breisen und Kederbacher von der Ramsau, haben sogar den Gratübergang von der nördlichen zur südlichen Spitze bewerkstelligt*) und der zu frühe dahin geschiedene Karl Hofmann hat mit seinen Begleitern zwar nicht diesen Uebergang, der von ihm ursprünglich beabsichtigt war, dafür aber den kaum minder abenteuerlichen direkten Abstieg vom Watzmannscheitel ins Wimbachthal zur Ausführung gebracht**), und damit die gerade Ersteigbarkeit der Westseite des Grossen Watzmann dokumentirt. Lediglich eine Lücke in den Beschreibungen des Grossen Watzmann also ist es, welche ein Bericht über eine Ersteigung seiner südlichen Spitze (auch Hintere- oder Schönfeldspitze genannt), auszufüllen bestimmt ist.

*) Derselbe wurde, wie ich im Jahre 1873 in Erfahrung brachte, seither noch mehrmals ausgeführt, u.a. auch von dem Jäger Kurz auf Trischübel.
**) Siehe Amthor's Alpenfreund Bd. I {Jahrgang 1870}, S. 81.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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