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 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 IV. Aus dem Quellen-Gebiete der Isar [Karwendel] [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XVIII. Die Falken in der Riss

Das Ladizer Jöchl

Der Morgen brach an – wolkig, zweifelhaft, wie der vorhergegangene Tag; bei solchem Nebel, wie gestern auf dem Gamsjoch, war auf dem Falken offenbar nichts zu beginnen; – und als ich von den Hirten mich verabschiedete und quer über den Laliderer Thalboden dem Fusse des Mahnkopfes zuwanderte, an dessen unterem Gehänge das hübsche, herzogliche Jagdhaus steht, dachte ich kaum, dass ich heute noch auf dem Scheitel des einen Falken stehen würde – und, wüsste ich nur den rechten Weg, wohl auch den andern noch mir gewinnen könnte. Ueber Wiesen und Geröllschütten, auf denen zahlreiche verzweigte Pfade sich kreuzen, erreichte ich nach Kurzem den breit angelegten Reitweg und von dessen langgezogenen Serpentinen bequem aufwärts geleitet, 1 Stunde nach Verlassen der Alpe das grüne Ladizer Jöchl (ca. 5500' 1787 m.), am südliche Fusse des Mahnkopfes. Ich stand nun auf dem Scheitel des Falkenkammes, der südlich vom Ladizer Jöchl noch einige niedrige, grüne Bergwelle auftreibt, und dann, wie bereits erwähnt, mit dem niedrigen Spielistjoch (ca. 5000' 1624 m.) an den Fuss des Hauptkammes anschliesst. Eine ziemlich ausgesprochene, vom Lalidererspitz durch die geschlossenen Wände gegen das Spielistjoch sich herabsenkende Mauerrippe könnte gewissermassen als der Anfang des Falkenkammes auf dem Haupt-Grate betrachtet werden.

Nördlich von mir erhebt sich der Mahnkopf, eine breite und flache, theils begraste, theils mit Krummholz überkleidete Bergkuppe. Seine westliche Abdachung, gegen das Thal von Ladiz, ist ziemlich flach geneigt, während er dem Laliderer Thale mehrstufige, schroffe Abstürze zukehrt. Den nach Ladiz hinabführenden Reitweg verliess ich sofort auf der Jochhöhe und folgte den Pfaden, die mehrfach verzweigt an der Westflanke des Mahnkopfes dahinziehen. Ein schmucker Spielhahn rauschte vor meinen Tritten aus dem Krummholze auf und schwang über die Gräben sich hinweg in waldige Tiefen. Auf freien Wiesenboden austretend, den zahlreiche Wasserrisse durchfurchen, sah ich die Steige verschwinden, den Mahnkopf bereits nahezu in meinem Rücken, die zweite Jochhöhe aber, welche mit der Fortsetzung des Falkenkammes ihn verbindet, ziemlich hoch über mir gelegen.


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Letzte Aktualisierung am 29. August 2018

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