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Home XVIII. Die Falken in der Riss Erkundigungen und Recognoscirungen bezüglich des Falken-Gebirges Der Alphintergrund von Laliders
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 IV. Aus dem Quellen-Gebiete der Isar [Karwendel] [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XVIII. Die Falken in der Riss

Die südnördlichen Querketten in der Karwendel-Gruppe

Ich befand mich nunmehr wieder im nordöstlichen Bezirke des grossen, unter dem Namen Karwendel-Gruppe zusammengefassten Berggebietes, welchem ich seiner auffällig verkehrten Gebirgsstruktur halber die Collectiv-Bezeichnung "Gruppe der süd-nördlichen Querketten" vindiciren möchte. Die Regelmässigkeit der langen, von West nach Ost dahingestreckten Bergketten, welche in vierfacher Wiederholung den Bau des ganzen Gebirges weithin beherrscht, bricht in dieem nordöstlichen Winkel plötzlich ab, um der Bildung kurzer, rechtwinkelig an die zweite der grossen Parallelketten stossender Kämme Platz zu machen, die zudem mit letzterer nur durch so niedrige Sättel zusammenhängen, dass sie als selbständige Gebirge, keineswegs als hochgipfelige Ausläufer erscheinen.

Es kann dieser Gebirgsbau als eine Fortsetzung desjenigen betrachtet werden, der bereits im Norden der Karwendelkette sich kundgibt: auch hier kurze, mit verhältnissmässig niedrigen Sätteln an die Nordwände des Hauptkammes anstossende Seitenzweige, zwischen denen keline Querthäler (Ronnthal [Rohntal] und Thortal [Tortal]) zur Riss hinaus münden. Früher, als die drei südlicher gelegenen Parallelketten, bricht die Karwendelkette im Osten ab, oder biegt sich vielmehr, bedeutend an Höhe einbüssend, gegen Norden (mit dem Stuhlberg) um. Die Bildung der Querkämme rückt an den Fuss der zweiten Parallelkette zurück, diese selbst gelangen dadurch zu erhöhter Entfaltung, und die Querthäler, die sie zwischen sich schliessen, sind die Quellenthäler der Riss [des Rißbaches]: Johannes-, Laliderer-, Eng-Thal; in gleicher Ordnung die Querketten: Falken, Gamsjoch, Sonnjoch.

Ihre Anschlüsse an die Hauptkette, tief eingedrückte Sättel, welche die innersten Kessel durch leichte Uebergänge miteinander verbinden, sind: das ganz niedrige Spielistjoch*) als Uebergang zwischen Ladiz und Laliders, das Hohljoch**) ein etwas höherer Uebergang zwischen Laliders und der Eng', der Gramai-Grat, ziemlich hoch, aber sowohl gegen den Hauptkamm, aus dem er entspringt, als gegen den Gipfel, der in der Folge sich aus ihm erhebt, ganz unverhältnissmässig tief herabgedrückt, als östliche Scheidewand des Blaubach-, zunächst des Binsalpenthales.

*) Das Ladizer Jöchl, ebenfalls Uebergang zwischen Ladiz und Laliders, überschreitet den Falkenkamm weiter nördlich, auf bedeutend höherem Punkte, am Südfusse des Mahnkopfes.
**) Nicht Hochjoch, wie gemeiniglich auf den Karten geschrieben steht.

Die Culminationspunkte auf dem Hauptkamme endlich, die jedoch ihren Zusammenhang mit jenen abzweigenden Sätteln kaum durch eine ausgesprochene Felsrippe im starren Gewände kundgeben, sind der Lalidererspitz, der Grubenkarspitz und die Lamsenspitze. Oestlich vom Gramai-Grat und dem Sonnjochkamme befindet sich ein viertes grosses Querthal, das jedoch nicht mehr dem Gebiete der Riss, sondern jenem des Achensees angehört: das Falzthurntal. Die niedrige, den Rauhen Klöl [Rauhen Knöll] als einzigen bedeutenden Gipfel enthaltende Gebirgsgruppe östlich dieses Thales theilt sich sowohl ihren Kämmen, als ihren Thaleinschnitten nach in beide Streichrichtungen: während der niedrige Anschluss des Rauhen Klöl [Rauhen Knöll] mit dem Lamsenjoche an das Massiv des Hauptkammes, die Richtung seines eigenen Grates, und die Fortsetzung des Gebirges längs des Falzthurnthales über das Stallenerjoch, Kaserjoch zum Tristkopf als neuer Querkamm, das, allerdings kurze, Tristenthal als fünftes Querthal sich darstellt, sehen wir in den Verzweigungen dieser kleinen Gruppe gegen Osten, in dem langgstreckten Stanserjoch und in dem Bärenkopf am Achensee, im Stallen- und im Weissbachthal wieder unzweifelhafte Spuren der in ihre Rechte zurückgetretenen Parallelstruktur.

*) Die namenlosen Zinnen in der Nordumrandung des Rossloches benannte ich, theils ihrer Gestalt, theils ihrer Stellung Rechnung tragend, vom Grubenkarspitz westwärts, als: Dreizinken-Spitz, Laliderer Wand, Laliderer Spitz. Noch weiter westlich folgt der "Lange Sattel".


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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