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 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 IV. Aus dem Quellen-Gebiete der Isar [Karwendel] [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XXII. Vom Katzenkopf auf die Jägerkarspitzen. Aus der Gleirschthaler Kette.

Natürliches Felsenthor in die "Flecken"

Die Pfadspuren, welche geradlinig in's Grosse Jägerkar (dasselbe verdient seienn Beinamen hier noch keineswegs, wohl aber erhält derselbe in den höherer Regionen seine Berechtigung) hinaufwiesen, verloren sich nun mehr und mehr, und für dieses Kar hatte ihre Nothwendigkeit auch aufgehört; dagegen querte nun ein breiter, aus der Entfernung schon in die Augen fallender Steig die Schuttgehänge des Beckens gegen West, bis hart an den Fuss der Umfassungsmauern; hier schien er plötzlich abzubrechen. Da an der gleichen Stelle augenscheinlich die einzige Möglichkeit bestand, über den Klippenrand hinaufzugelange und dadurch die breiten Plätze unter den Jägerkarspitzen und dem Katzenkopf zu erreichen, so verfolgte ich diese Spur und sah mich von ihr in eine Höhe überhängender Schrofen hineingeleitet, in deren Grunde ein Haufen dürres Krummholz stack. Nicht recht wissend, was diess zu bedeuten habe, suchte ich einen Umweg um den vortretenden Felspfeiler und fand einen solche, sowie einen Aufstieg nach der oberen Mauerkante, obgleich nicht ohne Schwierigkeit.

Breit, mit dunklen Legföhrenbetten überzogen, dehnte die Bergflanke vor mir sich gen Westen. Von den Mühlwänden, die von der Sohle des Gleirschthales sie trennen, war nichts mehr zu erblicken; die obere Bergzone war erreicht, der Weg bis an den Fuss der Gratmauern und ihrer Gipfel mir geebnet. Eine gradlinige Schrägerichtung nach dem Fusse des Katzenkopf's erlaubte die dichte Bebuschung des Gehänges noch nicht; ich hielt mich aufsteigend längs der Kante, in deren Nachbarschaft ich auch den Steig wieder anzutreffen erwartete. Kaum hatte ich einige Schritte in dieser Richtung zurückgelegt, so sah ich zur Rechten eine steile, grasbewachsene Runse zwischen den Schrofen sich hinabsenken, in ihr deutliche Pfadspuren und in ihrem, vom Gemäuer überwölbten Grunde wieder den Haufen dürres Strauchwerk. Nun war die Sache mir klar; ein Felsenloch, ein natürlicher Tunnel, vermittelt hier die Verbindung zwischen dem Grossen Jägerkar und den Katzenkopf-Flecken, und das Gestrüppe in ihm dient als Zaun für die Schafe, welche den einen oder anderen Weideplatz inne haben.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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