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Home XXII. Vom Katzenkopf auf die Jägerkarspitzen. Aus der Gleirschthaler Kette. Das Manndel- und das Samerthal Natürliches Felsenthor in die "Flecken"
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 IV. Aus dem Quellen-Gebiete der Isar [Karwendel] [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XXII. Vom Katzenkopf auf die Jägerkarspitzen. Aus der Gleirschthaler Kette.

Das Grosse Jägerkar

In's Samerthal eingetreten, hatten wir wieder den Bach zur Seite, hier Samerbach genannt, in der That nichts Anderes, als der Oberlauf des Gleirschbaches. Eine Stunde von der Amtssäge entfernt, langten wir bei der Oberen Säge an, ein altes Holzgerüste, welches seinem ehemaligen Zwecke ebenso wenig mehr dienst, als die Amtssäge. Der Weg beginnt nun steiler sich zu heben, um die Hochterrasse der Pfeisalpe zu gewinnen, und zur Rechten schäumt der Samerbach, von Felsen eingeengt, und sammelt sich, in einem Kessel künstlich abgedämmt, oberhalb der Sägemühle zu einer tiefgrünen Gumpe. Bereits vor Erreichen der Sägemühle waren wir an der flachen Wiesensinke vorübergekommen, mit welcher das Jägerkar zur Thalsohle ausmündet. Nun bezeichnete mir mein Begleiter einen links abzweigenden Pfad als den Steig in's Jägerkar, gab mir noch einige Anweisungen über den Weg, den ich nach den "Flecken" unterhalb des Katzenkopfs einzuschlagen haben würde, und wir trennten uns, jeder seinem Geschäfte nachgehend. Durch lichten Wald und durch Gebüsche ansteigend trat ich nach einer Viertelstunde in die Sohle des Grossen Jägerkars ein, welche hier eine ziemlich enge, von bewaldeten Bergrücken geschlossene Thalung bildet; der Pfad hält sich zumeist in deren Mitte, welche mit Gras und Alpenrosengebüschen bewachsen, stellenweise mit Geröllschütten überdeckt, seinem Laufe freiere Bahn gibt als die breiten Legföhrendickungen zu beiden Seiten. Nach drei Viertelstunden bereits hatte ich die Grenze des Krummholzes für diesen Thalboden überschritten – an den Berggehängen beiderseits reicht dasselbe noch mehr als tausend Fuss höher hinan – und befand mich auf flachhügeligem, schuttbedeckten Boden. Zur Rechten beobachtete ich die Abzweigung des Steiges in's Kleine Jägerkarl, welche bei Ersteigung der Praxmaderkarspitzen [Praxmarerkarspitzen] mir zu dienen hatte. Der Hauptweg leitete, stark links gehalten, in die Mitte der immer breitet sich dehnenden Mulde hinein. Steilwand umfasst sie nach beiden Seiten; im Westen sind es die Mauern eines vom Südöstlichen Jägerkarspitze ausstrahlenden Zweiges, im Osten gehören sie dem Jägerkarlspitze an, dem äussersten Gliede des grossen Praxmaderkarspitzen-Stockes. Die Höhengrenze des Thales scheint kaum eine Viertelstunde weit entfernt zu sein; es ist jedoch nur eine scheinbare, und wohl noch an 2 Stunden lang strecken Geröllkare und hügelige, schwach begrünte Becken sich hinauf bis zum culminirenden Sattel auf dem Hauptgrate. Der gangbare Boden berührt in der östlichen Scharte dieses Sattels die Schneide. Nordwärts stürzen die Wände prall auf die Hochterrasse über den Hinterauthale nieder.

*) Der Aussage der Jäger zufolge soll es möglich sein, die Jägerkarscharte (7087' 2302 m. Pfaundler) zu passiren. Der Gang an den Nordwänden, welcher zunächst zur Alpe Hinteröd auf der Terrasse über dem Hinterauthale führt, ist jedenfalls schwierig und nicht leicht zu finden. Wer denselben suchen wollte, würde jedenfalls von Hinteröd aus aufzusteigen haben, statt den umgekehrten Weg vom Jägerkar herüber zu gehen.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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