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Home XV. Der Grosse Speckkarspitz in der Hallthaler Kette Orographische Theilung der Hallthaler Kette Die Herrenhäuser
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 III. Aus dem Nord-Innthaler Gebirge [Karwendel/Mieminger Gebirge] [geograph. Bezeichnungen noch nicht überprüft]
 XV. Der Grosse Speckkarspitz in der Hallthaler Kette

Das Haller Salzthal [1870]

Für den Besuch der Hallthaler Gipfel bot sich mir günstigeres Nachtquartier, als in den Innthaler Bergen, wo die Wahl zwischen den elenden Alphütten am Gebirgshange und den tiefgelegenen Wohnungen der Thalsohle dem Bergwanderer schwer genug ankommt. Das innerste Hallthal birgt in einer Höhe von bereits 4691' 1517 m. (Trinker) stattliche, mit allen wünschenswerthen Bequemlichkeiten eingerichtete Gebäude, die sogenannten "Herrenhäuser" des Haller Salzbergwerkes. Gerne wird dem reiselustigen Fremden von den Herren Beamten, oder in deren Abwesenheit von den Bergknappen Unterkunft gewährt, und wer immer nach den Höhen des Hallthales seine Schritte lenkte, wird dieses der Lage wie der Qualität nach vorzügliche Asyl des Bergwanderers in dankbarer Erinnerung halten.

Dorthin zielte denn auch mein Marsch, als ich in den Abendstunden des 13. Juni [1870] die altersgraue Salinen-Stadt Hall in nördlicher Richtung verliess. Schnurgerade und in constanter Steigung verläuft die Fahrstrasse, welche nach den Bergwerken hinauf angelegt ist, der dunklen Ausmündung des Hallthales entgegen. Die buschigen, von tiefen Gräben gefurchten Flanken des Zunderkopfes drängen nahe an den Fuss des Speckkar-Gebirges heran; letzteres, beim Austritte aus der Stadt Hall noch in seiner vollen Grösse sichtbar, zieht seine plattengepanzerten, von dünnen, glänzenden Schneelagen quergezeichneten Kuppen zu immer schmäleren Streifen zusmmen und lässt sie endlich ganz und gar verschwinden hinter dem Mauerfundamente, welche sie trägt. Unbekannte, seltsam geformte Zacken ragen nun als scheinbar isolirte Gipfel in die klare Luft empor; düstergrau, mit spärlichem Krummholze behangen, erheben sich die Wänd der eingeengten Thalsohle, von tiefen, trümmererfüllten Schluchten durchrissen, die theils in finstere, senkrecht eingespaltene Kamine verlaufen, theils in geschlossenen Felsenkellern ihr nahes Ende erreichen. Um den Zunderkopf sich wendend lenkt die Strasse in's eigentliche Hallthal ein; auch an die linke Seite tritt nun Steilwand, an ihrem Fusse von Bergwald umkleidet, ihr lichter Höhensaum von Legföhren überrankt; im Süden entschwinden die Gefilde des Innthales, die breite Terrasse des Gnadenwaldes von St. Martin; im Westen öffnet sich der Einblick in den Thalhintergrund; dort thront die kalkweisse, flache Pyramide des Oestlichen Lafatschers, an ihren Linke reihen sich bei weiterem Vorwärtsschreiten die hohen Zinnen des Backofenkars, und zuletzt der doppelgipfelige, gen Norden senkrecht abgeschnittene Rosskogel. Mit Ausnahme dieses Bildes im Thalhintergrunde, und eines lichten Streifs, welche die Thalmündung in Südosten auf das Innthaler Gebirge frei lässt, gestatten die umschliessenden Wände einig und allein den Blick nach der Höhe aus der dunklen, erdrückend grossartigen Felsenenge.

Zur Seite der Strasse, die steil ansteigend um die Bergvorsprünge sich wendet, schäumt der Bach, die gewaltigen, in sein Bett niedergestürzten Blöcke mit brausenden Wirbeln umspülend. Mehrfache Deichleitungen, welche die Salzsoole und andere Gewässer nach der Saline hinabführen, begleiten die Strasse; hier und dort begegnet man einem leer stehenden Hut- oder Vorratshause, einer Kapelle; Alles trägt einen düsteren, monotonen Anstrich; es ist, als führe man bereits in den Schacht des Bergwerkes ein.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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