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Home XV. Der Grosse Speckkarspitz in der Hallthaler Kette Das Speckkargebirge im Unterinnthale Das Haller Salzthal [1870]
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 III. Aus dem Nord-Innthaler Gebirge [Karwendel/Mieminger Gebirge] [geograph. Bezeichnungen noch nicht überprüft]
 XV. Der Grosse Speckkarspitz in der Hallthaler Kette

Orographische Theilung der Hallthaler Kette

Meine Hochtouren in der Innthaler Kette*) und in ihrem westlichen Anhängsel, der Gruppe des Erl- und Reiterjochspitzes waren bereits in der ersten Hälfte des Juni zum erwünschten Abschlusse gediehen; ich rückte nordwärts in die zweite Schlachtreihe meiner Gegner vor, länger gestreckt, reicher an erhabenen, wohlgerüsteten Kämpen, als die erste es gewesen war. Die Hall-Gleirschthaler Kette dehnt sich vom Fusse des Walderrückens bei Schwaz bis zum äussersten, die Klammen des Isar- und des Gleirschbaches scheidenden Strebepfeiler des Hohen Gleirsch bei Scharnitz über eine Länge von 3 1/2 geogr. Meilen, und zwar mit einiger Ausnahme des Walderrückens selbst als unwirthliches Hochgebirge. Ein kurzer Querkamm verbindet sie mit der Innthaler Kette, vom Backofenspitz zum Wildanger hinüber. Auch dieser Querkamm trägt einen Felsengipfel ersten Ranges, den Rosskogel, auf seinem Scheitel, ein ziemlich seltener Ausnahmsfall in den einförmigen, ihre Abzweigungen weitaus dominirenden Parallelketten der Karwendel-Gruppe.

*) Ich benenne die einzelnen Parallelketten der Karwendel-Gruppe prinzipiell nach den an ihrem Südfusse hinlaufenden Thälern, aus welchen auch, mit seltenen Ausnahmen, die Gipfel erstiegen werden.

Die Einschartung des Stempeljochs (6921' 2248 m. Trinker) unterbricht diesen Kamm, der unmittelbar darauf sich wieder erhebend an den zackigen Rücken des Wildanger anschliesst; die beiden durch ihn geschiedenen Thäler, Hallthal und Gleirschthal, werden dadurch in eine leicht gangbare Verbindung gesetzt. Die westwärts verlaufende Gleirschthaler Kette erleidet keine weitere Unterbrechung mehr; die Hallthaler Kette dagegen wird durch die tiefe und breite Einsattelung des Lafatscherjoches (6555' 2129 m. Trinker) sehr deutlich in zwei Hälften geschieden, welche man nach den weiten Einbuchtungen, die sie mit ihren Graten und Gipfeln umspannen, passend als die Backofen- und die Speckkar-Gruppe benennen könnte. In ersterer dominiert der Grosse oder Westliche Lafatscher; der gipfeltragende Kamm biegt am Backofenspitz (dem Knotenpunkte mit der Gleirschthaler Kette) rechtwinkelig gegen Süden um, zum Rosskogel, Stempeljochspitz und Stempeljoch. In der zweitgenannten Hälfte trennen die Ausläufer des Hauptkammes und seiner Gipfel, des Oestlichen oder Kleinen Lafatschers und der Speckkarspitzen, die mehrfachen Mulden des Grossen Speckkars; ihr Culminationspunkt liegt auf der breiten Mauerkuppe, dem Mittelbau der gewaltigen Gebirgsmasse, welche als das Speckkar-Gebirge bereits bezeichnet wurde.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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