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Home XX. Im Hoch-Glück Von der Riss an den Achensee und zurück; Alarmirende Gerüchte [1870] Aufstieg in's Hoch-Glückkar
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 IV. Aus dem Quellen-Gebiete der Isar [Karwendel] [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XX. Im Hoch-Glück

Das Blaubachthal; Alpwirtshäuschen in der Eng

Die Wanderung durch das Blaubachthal entbehrt hervorragender Abwechslungen in ihren Aussichtsbildern und ist ziemlich eintönig bis in den Hintergrund an der Engalpe, wo fast die ganze Vomperkette in ihren grossartigen Massen und anziehenden Details dem Auge sich erschliesst. Von der Hagelhütte weg führt der fahrbare Weg anfänglich durch Wald, hierauf über eine endlos weite, mit Ahornbäumen besetzte Wiesenebene, auf welcher Pfad und Bach verschwinden, der letztere die Bahn, welche er bei plötzlicher Schwellung der Gewässer zu nehmen pflegt, nur durch ein tief gewühltes Schuttbett, durch Ueberkiesung mancher Strecke Weideland bezeichnet; zur Linken und zur Rechten streben hohe, mit Krummholz behangene Felsmauern himmelan; hier gehören sie dem Sonnjoch, dort dem Gamsjoch an. Im Hintergrunde entfaltet sich der Gipfelgrat der Vomperberge, die tiefe Einschartung und weite, schneeige Mulde des Hochglück.

Nach 1 1/2 Stunden ist die erste Alphütte der Eng*) erreicht, ein einzelnstehendes, sauberes Holzhäuschen, hart an der Ausmündung des Binsalpenthales gelegen. Dicht bewaldete Bergrücken senken sich von dort herab in's Blaubachthal; sie nehmen ihren Ursprung am Gramaigrat, das Sonnjoch liegt dem Wanderer bereits im Rücken. In der Alphütte hat eine kleine Wirtschaft sich etablirt, die, immerhin etwas primitiv, gleichwohl den Aufenthalt in der Eng weit leidlicher macht, als er auf Alpen sonst zu sein pflegt. Wein, Kaffee und Eier befriedigen materielle Bedürfnisse, welche der Bergtourist in ähnlichen Regionen sonst nothgedrungen hinenanzusetzen gewohnt ist und auch das Nachtlager, obwohl auf Heu, sieht einem Bette ähnlicher als dies beim Hirtenvolke der Berge der Brauch. Die Gruppe der zahlreichen Alphütten liegt eine halbe Viertelstunde weiter thaleinwärts auf freiem Wiesengrunde. Das Thal verengt sich hierauf und biegt gegen Südwesten um, hart unter den Steilwänden der inneren Vomperkette bis an den Nordostfuss des Grubenkarspitzes sich hineinziehend; man nennt diesen abgeschiedenen, schattigen Winkel "Im Grund".

*) 3694' 1200 m. Trinker.

Westlich der Engalpe steigen in grünen, theilweise von Fels durchbrochenen Hängen das Hohljoch*), der Hohljoch- und Gumpenkarspitz auf, sämmtlich dem Gamsjochkamme zuzählend, endlich das Gamsjoch selbst mit grasreichem, in seichte, zu Karen sich ausrundende Sinken getheiltem Gehänge, mit dreifach geschwungener Gipfelwelle; dieser aussichtsreiche Berg kann, wie von Laliders, so auch von der Eng aus leicht erstiegen, beziehungsweise sein Besuch mit der Durchwanderung beider Thäler verbunden werden.

*) Nahe demselben erblickt man eine auffällige, in langer Reihe zusammengebaute Gruppe von Alphütten. Es ist diess der Hoch-Läger von Laliders [Hochleger], welcher während der Hochsommer-Monate (von Mitte Juli bis ca. 1. September) bezogen, wogegen die Alpe Laliders im Thale leer gelassen wird.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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