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 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 IV. Aus dem Quellen-Gebiete der Isar [Karwendel] [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XX. Im Hoch-Glück

Der Schafkarspitz und der Kaiserkopf

Ein kurzer, eingerissener Trümmergraben leitet mich zuletzt, direkt von Norden her, auf den Gipfel des Hoch-Glück; mehrere Schritte lang, aber kaum einen Schritt breit, besitzt er an seiner östlichen Ecke den eigentlichen Culminationspunkt und verbreitert sich hier um Weniges zu einem trümmerbedeckten Plätzchen, auf welchem man bequem sich niederlassen und sein Gepäck placiren kann. Die Ersteigung hatte 5 1/2 Stunden von der Eng, 1 1/2 Stunden von der Hoch-Glück-Scharte her in Anspruch genommen, möchte sich jedoch in künftigen Fällen vielleicht etwas vermindern, da meine Disposition zum Bergsteigen, namentlich bei Beginn der Partie, an jenem Tage nicht eben die beste war. Die Höhe, welche auf diesem Gipfel des Vomperkammes ich inne hatte, bestimmter der Kataster unter dem Namen "Hoch-Glück" zu 8130' 2641 m.*), die Hoch-Glück-Scharte wird 7000' 2274 m. nur wenig überstiegen.

*) Ich kann nicht umhin zu bemerken, dass diese Bestimmung mir als zu hoch gegriffen erscheint, da der Eiskarlspitz entschieden höher ist, als der Hoch-Glück-Gipfel, und seinerseits vom Grubenkarspitz, dessen Höhe nach dem Kataster 8228' 2673 m. beträgt, nicht unbeträchtlich überragt wird. Es möchte etwa unter dem Hoch-Glück des Katasters der Eiskarlspitz verstnanden worden sein, worauf auch der Umstand hinzudeuten scheint, dass in der Umgebung des letzteren, freilich nur auf einem Seitengrate, eine Signalstange sich vorfindet, meines Wissens die einzige auf irgendwelchem Höhepunkte des inneren Vomperlochs. Dem wahren Hoch-Glück möchte hiernach eine Höhe von wenig über 8000' 2600 m. zukommen.

Neu und auch nur von meiner Hochwarte zu gewinnen war mir der direkte Einblick in's Kar "Schneepfann", am Fusse der fast senkrechten Ostwände des Hoch-Glück-Gipfels; es führt seinen Namen mit Recht. Abgesperrt von allen Seiten ist sein tiefer, dafür aber ziemlich geräumiger Grund, erfüllt von Schneemassen, die im Schatten der düsteren Mauerwinkel theilweise vielleicht eines ewiges Bestandes sich erfreuen; öder Schutt, wüstes Blockwerk deckt den Rest. Seine östliche Schranke bildet eine schroffe Abzweigung des vom Hoch-Glück ostwärts sich fortsetzenden Hauptgrates, der von diesem Punkte rechtwinkelig gegen Norden abbiegt, zur Scharte im Hintergrunde des Schafkars niedersinkt, und dann erst zu neuen Gipfelhöhen (Schafkar- und Lamsenspitze) emporsteigt. Der Zweigkamm, der vom Hoch-Glück-Gipfel ausgehend in's Vomperloch vortritt, sinkt in südöstlicher Richtung von letzterem ab zu flachem Sattel und erhebt sich wieder zu einem pyramidalen Nebengipfel, dem bereits genannten Kaiserkopf. So mächtig dieser während der Ersteigung mir gegenüber gestanden war, nun lag er doch tief unter meinem Niveau und vermochte mich weiter nicht mehr zu reizen. Nach oberflächlichem Ueberblicke hielt ich den Uebergang für leicht ausführbar; eine spätere genaue Betrachtung mit dem Fernglase wies mir jedoch auf dem zwar leichtgeneigten, aber äusserst scharfschneidigen Grate mehrere zweifelhafte Stellen und namentlich am Kaiserkopfe selbst einen Plattenabsturz, der kaum ersteigbar – noch weniger zu umgehen schien. Der Aussage des Jägers Oberleitstettner in Vomperberg zählt auch dieser Kaiserkopf zu den "Unbesteigbaren" des Vomperlochs. Stünde in ihm ein würdiges Ziel in Aussicht, so müsste er einem ernstlichen Angriffe wohl ebensogut weichen, wie der Schafkarspitz, dessen Südwand, wie sie dem Hoch-Glück sich zeigt, auch nichts weniger einladend erscheint.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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