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Home XIV. Das Hohe Brandjoch bei Innsbruck Anstieg an den Vorderen Hohen Brandjochspitz; sein Zackengrat; das Brandjochkreuz Auftauchen der Karwendelketten
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 III. Aus dem Nord-Innthaler Gebirge [Karwendel/Mieminger Gebirge] [geograph. Bezeichnungen noch nicht überprüft]
 XIV. Das Hohe Brandjoch bei Innsbruck

Was das Eisen auf Fels werth ist

Nicht lange währte es, so traf ich bereits an schrofige Absätze von spärlicher Vegetationsbedeckung und stellenweise enorm steiler Hebung, deren bröckelndes Gestein überdiess nur einen höchst unsicheren Ansatz gewährte; dazwischen wechselten kleine, eingeschobene Grasflecke mit schmalen Rinnen, von Felsrippen eingedämmt, und bald genug befand ich mich mitten im coupirtesten Bergterrain, in welchem wenig mehr Sorge, als die für die nächsten Schritte zu tragen übrig blieb; obwohl ich keine Ursache hatte, über allzu beschränkte Auswahl in dieser Beziehung mich zu beklagen, so verursachte die allgemeine Steile des ganzen Gehänges doch manche Schwierigkeit, die Nachbarschaft der abstürzenden Wandstufen erheischte Behutsamkeit und festen Tritt, während die Anstrengung im Erklettern der hohen Felsabsätze mit diesen Anforderungen der Sicherheit in fühlbaren Widerspruch sich setzte. Die Folge war ein Aufkeimen und Ueberhandnehmen eines unbestimmten Gefühls von Unbehaglichkeit und Bangigkeit, und, eines weiteren Behelfs zur Lösung der gestellten Aufgabe in hohem Grade bedürftig, begann ich endlich zu überlegen, ob meine Theorie des Nichtgebrauchs von Eisen auf hartem Fels wohl auch in jeder Hinsicht probehaltig sei? – der lange gemiedene Versuch wurde angestellt, und schon die ersten Schritte weiter hinauf hatten mich um eine wichtige Erfahrung auf dem Gebiete des Bergsteigens bereichert. Was ich mit allen möglichen theoretischen Gründen bekämpft und wiederlegt, davon empfand ich die unläugbar wohlthätige Wirkung. Wenige Bergzinnen habe ich seit jenem Tage besucht, an deren Bezwingung die spitzen Eisensohlen nicht ihren hervorragenden Antheil gehabt hätten; und ohne ihre, wenigstens passive Begleitung, unternehme ich keine Bergwanderung mehr, stelle sie auch noch so geringe Bedenken in Aussicht.


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Letzte Aktualisierung am 29. August 2018

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