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Home XVI. Die Lamsenspitze im Stallenthal Der Vertreter der unerstiegenen Spitzen im Karwendel Orographisches und Hypsometrisches
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 III. Aus dem Nord-Innthaler Gebirge [Karwendel/Mieminger Gebirge] [geograph. Bezeichnungen noch nicht überprüft]
 XVI. Die Lamsenspitze im Stallenthal

Die Lamsenspitze, ein Knotenpunkt zwischen vier Thälern; von vier Seiten zugänglich, von einer nur ersteigbar

Die Lamsenspitze soll unersteiglich sein – so hört und liest man zu München und Innsbruck; zuweilen wird wohl auch beigefügt, dass von einer einstmals erfolgten, nie mehr wiederholten Besteigung derselben die Sage gehe – oder es wird eine andere, als die Stallenthalseite dieses Gipfels vermuthungswiese als die besser ersteigbare bezeichnet. All' das ist müssiges Gerede, welchem vor Allem die Basis einer einigermassen genauen topographischen Kenntniss fehlt. Die Unkunde der lokalen Verhältnisse gibt schon in der Benennung "Die Lamsenspitze im Stallenthal" sich kund; denn wenngleich dieser Gipfel mächtig den Hintergrund des Stallenthals beherrscht, durch dessen Aufschluss beim Felsenneste St. Georgenberg er von der Eisenbahn zwischen Jenbach und Schwaz aus einige Minuten lang gesehen werden kann, so gehört er doch ausser dem Stallen- noch dreien andern Gebirgsthälern und seiner Stellung in der fortlaufenden Kette nach dem Vomperloch vorzugsweise an; seine Nordflanke fällt in's Thal von Falzthurn, durch dessen Weitung er dem Besucher des Sonnjochs auf der Thalwiese ausserhalb Pertisau und später wieder auf dem Alpboden von Gramai so starr-gewaltig er entgegen blickt; nordwestwärts stellt er seinen Fuss in die obersten Kare der Binsalp und gehört daher nach dieser Seite dem Thale der Eng, dem Wassergebiete der Riss an. Schon aus diesen vorläufigen Angaben erhellt, welch' wichtigem Gebirgsknotenpunkte die Lamsenspitze als Markstein dient; und wie sie den verschiedensten Thälern gleichzeitig angehört, so kann sie auch von den verschiedensten Seiten her erstiegen werden – dass heisst, der Bergsteiger kann von allen Weltgegenden her sich ihr nahen, an den Fuss des eigentlichen Gipfels auf mannigfachen, ihrer Länge nach nicht viel von einander verschiedenen Wegen gelangen. Der klotzige Bau des Gipfels selbst, die Lamsenspitze im engeren Sinne des Wortes, ist nur von einer Seite, und an einer Stelle allein*) ersteigbar und diese liegt an ihrem Südfusse, im Lamskar, sohin innerhalb der Grenzen des Vomperlochs.

*) Ich sehe dabei ab von der, durch den Besuch des Schafkarspitzes mir fast zur Gewissheit gewordenen Möglichkeit, zwischen beiden Gipfeln in der Hochzone quer durchzugehen; diess würde allerdings eine zweite Art von Lamsenspitz-Weg ergeben, nämlich mit vorheriger Besteigung des Schafkarspitzes aus dem Schafkar. Letzteres ist jedoch ein so bedenkliches Unternehmen, dass, wenn mir die Obliegenheit einer zweiten Schafkarspitz-Besteigung erwüchse, ich es vorziehen würde, zuerst auf die Lamsenspitze zu gehen und jenen Quergang zu versuchen.


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Letzte Aktualisierung am 29. August 2018

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