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Home XIX. Der Grosse Karwendelspitz [Östliche Karwendelspitze] XIX. Der Grosse Karwendelspitz [Östliche Karwendelspitze] Verlauf der Landes-Grenze
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 IV. Aus dem Quellen-Gebiete der Isar [Karwendel] [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XIX. Der Grosse Karwendelspitz [Östliche Karwendelspitze]

Zwei Karwendelspitzen; ihre Lage, Stellung und Höhe

Einer der wenig bedeutenden, in ihren Einzelheiten wenig interessanten Excursion in der ersten, nördlichsten Parallelkette, welche ich dem bereits früher angeführten Principe zufolge als die Karwendelkette bezeichne, gebe ich in der Beschreibung den Vorzug vor andern Gipfeln dieses Kammes, welche in bergsteigerischer Hinsicht einen weit vornehmeren Rang behaupten; und was mich leitet bei dieser Wahl, ist der Wunsch, dass wenigstens mit einem der wenigen Spitzennamen im Quellen-Gebiete der Isar, die in weiteren Kreisen der alpinen Welt ausgesprochen zu werden das Glück haben, eine minder verworrene Vorstellung verbunden werde, als bisher.

Wo steht der Karwendelspitz, wie hoch ist er? – Auf diese Frage wird man die verschiedenartigstens, unter sich im grössten Widerspruche stehenden Angaben erhalten; bald mag man erfahren, der Karwendelspitz erhebe sich über Mittenwald, besitze eine Höhe von 7316' [2327 m], auf seinem Scheitel sei ein Kreuz, das sogenannte Dall'Armi-Kreuz, errichtet; bald heisst es, der Karwendelspitz befinde sich im innersten Hintergrunde des Karwendelthales, an der Hochalpe, behaupte noch vor den zackigen Wörnerspitzen den VOrrang. Soweit sind beide Angaben richtig und die Reymann'sche Karte verzeichnet auch (freilich in verschiedener Schreibweise, was gar keine Bedeutung hat) zwei Karwendelspitzen; die Oesterr. G.-St.-K. [Generalstabskarte] dagegen gar keinen. Der doppelte Gebrauch des Namens, die verschiedenen Begriffe, die man damit verbindet, sind also zunächst darauf zurückzuführen, dass in der That zwei ganz verschiedene Berge mit dem gleichen Namen belegt werden, davon der eine, in den westlichen Theil der Kette, nahe ihrer südlichen Umbiegung, hinausgestellt, die Thalfläche von Mittenwald beherrscht und dort unter dem Namen Karwendelspitz exclusive bekannt ist, der andere, bedeutend höher als jener, über dem Pass-Sattel zwischen dem Karwendel- und dem Johannesthale sich erhebt, auf der Hoch-Alpe und im Karwendelthale als Karwendelspitz benannt ist, während umgekehrt man dort einen Karwendelspitz im Kirchelkar (der Umgebung des Mittenwalder Karwendelspitzes) nicht kennt. Aber auch damit sind die Widersprüche noch lange nicht alle gelöst.

Zunächst erhebt sich die Frage, ob der Karwendelspitz als Culminationspunkt der Karwendelkette, und in so naher Nachbarschaft der Wasserscheide zwischen beiden, längs ihres Südfusses verlaufenden Thälern zugleich auf dem Hauptgrate die Wasserscheide zwischen Isar und Riss bezeichne. Diese Frage ist zu verneinen, der Grosse Karwendelspitz gehört bereits vollständig, mit seinen beiderseitigen Karen, dem Quell-Gebiete des Karwendelbaches an. Das Bergmassiv des nächstöstlichen Gipfels in der Kette, des Grubenkarspitzes*) senkt mit seiner Westkante geradlinig zur Passhöhe sich herunter und reicht dem grossen, vom Birkkarspitze herabkommenden Zweigkamme die Hand. Die Hochalpe selbst liegt bekanntlich nicht auf der Passhöhe, sondern eine nicht unbeträchtliche Strecke unterhalb derselben, auf der Seite des Karwendelthales.

*) Es sei wiederholt daran erinnert, dass hier ein anderer Grubenkarspitz als jener zwischen Rossloch und Grubenkar in Rede steht.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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