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Home XXI. Verirrt im Vomperloch Der Pfad des Vomper Lochs Das G'richt-Alpel
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 IV. Aus dem Quellen-Gebiete der Isar [Karwendel] [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XXI. Verirrt im Vomperloch

Ausmündung des Ödkarls

Im schattigen Laubwalde wanderte ich unbesorgt thalauswärts. Tief unter mir tobte der Vomperbach in seiner Enge, Lichtungen des Gehölzes, mehr noch die luftigen Vorsprünge der vom Pfade umschlungenen Bergecken wiesen die himmelhohe Wand des Speckkar-Gebirges mir in greifbarer Nähe gegenüber; selten nur vermochte ich bis in den Grund der Klamm hinabzusehen, über welchen ich bereits um etwa 300' [100 m] mich mochte erhoben haben, und was ich dort sah, war finster zerspaltenes Gemäuer, überworfenes Blockwerk, aufspritzender Gischt und weisslich-grün kochende Wasserwirbel. Durch starkes Krummholz, welches nicht selten eine völlige Ueberwölbung des Pfades nach Art eines Laubdaches bildete, zog dieser eine beträchtliche Strecke abwärts und leitete in eine enge Seitenschlucht ein, um jenseits derselben alsbald wieder an Höhe zu gewinnen. Ein prächtiger Wasserschuss rauscht über steiles Plattenbett herunter und bildet in ausgehöhlten Felsmuscheln zwei kleine, schön bläulich-grüne Gumpen. Nahe dem Rande des abermaligen Wandabsturzes zur Vomper Klamm überschritt ich das zu flachen Schalen ausgewaschene Gestein, die Wasserbahn, die ich hier kreuzte, konnte naturgemäss keine andere sein, als der Abfluss des Oedkarls. Bald verfolgte ich meinen Weg wieder hoch über der Klamm, fortwährend auf gut gebahntem, in den Seitenwänden eines tiefen Flankenspaltes sogar künstlich eingehauenen Pfade – gewiss Alles, was von dem "pfadlosen" Vomperloch nur zu verlangen!

Ich befand mich nunmehr am Abfalle des Huderbankspitzes, dessen bedeutende südöstliche Verbreitung den Raum zwischen der Mündung des Oedkarl- und des Zwerchbaches in's Vomperloch erfüllt. Mir gegenüber verlor sich allmählig der Felsenbau des Speckkar-Gebirges und der niedrige Bergrücken der Walderalpe begann an seine Stelle zu treten. Wechselnd steigend und sinkend zog mein Pfad durch Wald und Busch dahin; ich mochte bereits an drei Viertelstunden ihn verfolgt haben, als eine entschieden sinkende Tendenz in ihm sich fühlbar machte, längere und kürzere Serpentinen führten der Tiefe mich näher; nochmals folgte ein Querlauf durch lichtes Gehänge, über schutterfüllte Rinnen, und wieder ging's stark abwärts durch junge Fichtenwaldung zu tieferer Terrasse des Gehänges, die immer noch an 150' [50 m] über dem Spiegel des Vomperbaches gelegen sich erwies; die höchste Erhebung des Pfades über den Grund der Klamm darf demnach kühnlich auf ein halbes Tausend Fuss [170 m] veranschlagt werden.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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