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Home XVII. Die Obere Platte im Mieminger Gebirge Eine Probe kartographischer Gewissenhaftigkeit Auf den Mitterberg. Erratische Vorkommnisse im Mieminger Gebirge
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 III. Aus dem Nord-Innthaler Gebirge [Karwendel/Mieminger Gebirge] [geograph. Bezeichnungen noch nicht überprüft]
 XVII. Die Obere Platte im Mieminger Gebirge

Der Judenbach

Früh 4 Uhr weckte mich die freundliche Wirthin und machte sich auch alsbald daran, ein Frühstück mir zu bereiten. So trat ich zu guter Stunde und doch mit wohlversorgtem, gewärmten Magen die Bergfahrt an. Am hellen Morgenhimmel verblichen die Sterne, die noch vor Kurzem ihren funkelnden Schein durch die Fenster der Wirthsstube hereingesendet hatten. Um 4 Uhr 20 Min. setzte ich mich in Marsch. Gleich ausserhalb des Dorfes theilen sich die Wege, sie führen zur Linken in's weite Feld, zur Rechten gerade bergan und in weiteer Rechtsschwenkung hinauf in's Alpl. Ich hielt mich an den ersten abzweigenden Feldweg, hätte jedoch besser gethan, den Hauptweg über den Zaungatter am obersten Ende des Dorfes hinaus zu verfolgen. Indess hatte diese erstmalige Abirrung nichts auf sich; die Richtung gegen den Judenbach war mir bekannt genug, und Hindernisse bestehen, wie eben erwähnt, auf dieser Linie nicht. Der niedrige, mit Busch unterwachsene Föhrenwald, welcher vom Saume der Wildermieminger Felder ab die ganze weite Fläche bedeckt, ist nur an wenigen Stellen so dicht, dass man nicht bequem pfadlos durch ihn durchschreiten könnte. Wege durchziehen ihn in grosser Anzahl, aber alle in gerader Richtung an's Gehänge der Judenköpfeln hinan, wo sie an Holzriesen endigen.

Nach 3/4 Stunden stieg ich die niedrige Böschung am Westrande der Fläche, die offenbar nichts Anderes ist, als ein sehr ausgebreiteter und verflachter alter Schuttkegel, hinab und befand mich nun auf dem Fahrwege, der von Obermiemingen längs des Judenbaches thalein führt. Einige Minuten später überschritt ich das seichte, rauschende Gewässer; ein tiefer Einblick öffnete sich zur Rechten in dessen Ursprungsschlucht und liess die grossartige Felsenwildniss dort bereits ahnen, welche die Höhe des Seitenkammes mir erst völlig erschliessen sollte. Vom jenseitigen Ufer hatte ich nun sofort den Anstieg des steilen, theilweise bewaldeten Mitterberges zu beginnen, um längs des Scheitels desselben den Anschluss an die oberen grünen Plätze zu bewerkstelligen.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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