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Home XXVI. Der Hoch-Blassen Männchenbau und Würfelspiel auf seinem Scheitel Abstieg nach dem Gaifen-Grat und der Scharte "An der Mauer". Uebergang auf die Stuiben-Alpe
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 V. Aus dem Wetterstein-Gebirge [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XXVI. Der Hoch-Blassen

Rückweg nach dem Signal-Gipfel; Anblick des Höllenthals und Höllenthalferners

Frei, ungestört erhebt unser Signal sich auf kahlem Gratscheitel. Da ist dem Uebermuth Genüge geschehen, und wir wenden uns zurück, zur Heimkehr. Ein Steinchen in der Tasche hinterbleibt als Angedenken an diesen Tag. Den Grat hinunter, – bald sind wir wieder an der bedenklichen Platte. Ich war mit den Eisen voraus, stand wieder auf den fingerbreiten Stufen über den Wänden des Vollkars. Eben setze ich den einen Fuss zu neuem Tritte vor, suche mit Fingern nach einem greifbaren Gegenstand an der Platte, da reissen die Zacken des anderen Eisens unter der Last des Körpers aus, der sofort nachgleitet, – aber nur einen Schuh tief, die treuen Helfer haben bereits einen neuen, gar nicht vorausgesehenen Halt gefunden. Der gefährliche Zwischenfall vollzog sich mit solcher Gedanken-Geschwindigkeit, dass mein Begleiter nicht das Geringste davon merkte, und ich selbst den Eindruck davon erst erhielt, als Alles längst vorüber war und ich wieder in der sichern Scharte mich befand. Peter kam nach, ich suchte durch vorgesetzten Bergstock eine Art Geländer zu schaffen, doch war diese Vorsorge unnöthig. Ich konnte nicht genug mich verwundern über seine Gewandtheit, ohne Eisen und ohne gespitzten Stock in diesem plattigen Gefelse herum zu klettern. Vor Jahren hatte ich meinen Algäuer Führer in Erstaunen versetzt, indem ich ohne Eisen die Trettachspitze erstieg. Jetzt hatte ich mich an die Eisen gewöhnt, und war an mir die Reihe, zu staunen.

Die "Alte Kuh"-Kluft ging's wieder hinab auf das Schuttband, in die Scharte, und durch's jähe Geklipp urück auf den Signalgipfel. Hier verweilten wir noch zwei Stunden, ich skizzirte die Nordseite des Wettersteinkammes, von welchem jetzt freilich ein kleiner Abschnitt, just die Dreithorspitz-Gruppe, durch den Südlichen Gipfel verdeckt wurde. Bewundernd ruhte der Blick auf seinem schlanken Thurmbaue. Stünde das steinerne Männchen nicht dort oben, wir glaubten nimmermehr, dass wir selbst auf dieser Säule gethront. – Auch der nördlichen Aussicht wurde noch einige Beachtung geschenkt. Hier von von besonders hervorragendem Interesse der Anblick des tiefen, engen Höllenthals, des Waxensteins und der Riffelspitzen; der furchtbaren Nordwände der Höllenthalspitzen und des Zugspitz-Massivs, sowie des von ihnen eingeschlossenen Höllenthalferners. Es war das erste Mal, dass in sein Tiefinnerstes mir der Blick verstattet wurde; weder der östliche Zugspitzgipfel, noch irgend ein Punkt des Höllenthal-Weges ist hiezu günstig. Nicht wenig erstaunte ich übre die gewaltige Zerschründung dieses wohlcharakterisirten Gletschers. Doch sollte ich auf den Höllenthalspitzen diesen Anblick noch umfangreicher, aus unmittelbarer Nähe noch weit deutlicher geniessen.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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