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Home XXVII. Die Höllenthalspitzen Uebergang nach der Mittlere Höllenthalspitze Rückkehr im Nebel
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 V. Aus dem Wetterstein-Gebirge [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XXVII. Die Höllenthalspitzen

Aufkochen der Wolken

Ich aber ruhte auf dem Scheitelpunkte des Grates hoch über dem Höllenthal und sah es in der Tiefe unten kochen und brodeln wie im Höllengrunde selbst. Das klare Wetter hatte sich rasch getrübt, aus allen Thälern dampften die Gewölke und rollten durch die Scharten der Felsenkömme herein, in's Herz des Wetterstein-Gebirges. Noch bevor ich von seinen Häuptern Abschied nahm, verabschiedeten sie sich von mir, in graue Schleier sich verhüllend. Da schwinden sie dahin, einer um den anderen, wie die Tage, die ich auf ihren Höhen verlebt. An den Wänden der Zugspitze rauchen die Nebel empor, bald decken sie ihre Zinnen, und um den breiten Fuss des Schneefernerkopfes lagern sich die Dunstschichten über das Platt und hüllen die Gipfel seines Randes in ihr Düster ein. Felsenriffen gleich schwimmen noch der Wetterschrofen und der Waxenstein im Wolkenmeer, und die scharfe Nadel der Inneren Höllenthalspitze sticht hie und da durch die dampfenden Massen.

Starr stehen noch die Kolosse des Rainthals, die Häupter des Wetterstein-Kammes, im Süden; sie weisen die herandrängenden Gewölke von sich und scheinen die allzu ziehenden in ihren Felsenkörpern aufzusaugen. Aber endlich setzen sich die Nebelflocken und Gürtel doch an ihnen fest und sie ranken hinauf zu den Graten und Gipfeln, die kühn geschwungenen, zackigen Linien erlöschen in ihrem trüben Schleier. Hoch-Wanner und Teufelsgrat entschwinden, das Ober-Rainthal ist zum schwarzrauchenden Kessel geworden, die Dreithorspitze selbst, die gewaltige, sieht die Wolkenmassen über ihrem Haupte zusammenschlagen. In der nächsten Minuten ist auch der Hoch-Blassen, der letzte, der sich frei erhielt, verschlungen. Graue Dämmerung ist es geworden in der Runde, verwaschen erscheinen die Umrisse kurze Wellen schlagend, der Nebeldunst. Geheimnissvoll rauschen aus unsichtbarer Tiefe die Gewässer des Thals.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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