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Home XXVII. Der Ofelespitz im Berglenthal Das Brucker Wirthshaus [1871] Das Berglenthal; Pfad an seinem Eingangsthore
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 V. Aus dem Wetterstein-Gebirge [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XXVII. Der Ofelespitz im Berglenthal

Reminiscenzen an den Ofelespitz und Erkundigungen über ihn

Ein oft gesehener, lange gemiedener, aufgeschobener Gipfel, sollte morgen gezwungen werden. Gelang's, – dann mochte ich Nichts mehr für unmöglich halten. Ein dunkler Flecken war er geblieben in der Erinnerung eines sonst unvergesslich schönen Tages. Der Dreithorspitze entgegenwandernd hatte ich ihn entdeckt, – ein verkleinertes Abbild des Tribulaun im Stubayer Gebirge; eine Scheere, aufklappend, und wie bereit, zermalmend über Dem zusammenzuschlagen, der frevelnd ihr nahe zu treten wagte. So hatte ich vom Platt aus sie gesehen, ihr Gehänge auf den Schutt- und Hügelboden herab als äusserst steil, doch möglicherweise nicht völlig ungangbar beurtheilt; die Gipfelzinnen aber schienen jede Hoffnung auszuschliessen. Ich erwartete Besseres von der Südseite, die aus dem Paitenthale [Puittal] emporstrebt, und fand hier erst völlig unangreifbare Steilwand. Es war und blieb beschlossen, vom Dreithorspitzplatt aus die Ersteigung zu versuchen; und das letzteres zugleich meinen Ausgangspunkt für die Ersteigung der Wettersteinwand zu bilden hatte, so konnten, günstigen Erfolg vorausgesetzt, beide Hochtouren am gleichen Tage zur Ausführung gelangen.

Als die Knechte des Bruckerwirthes zum Abendimbiss heimkehrten, erkundigte ich mich bei ihnen nach dem Ofelekopf, der ihnen bekannter unter dem Namen Berglenspitz ist. Ob er ersteigbar? – O ja, ganz gut. – Von welcher Seite? – Vom Plattert herauf, oder auch geradenwegs vom Thale aus über den absinkenden Rücken, – vom Söller her (Westseite) ginge es ebenfalls, – ich glaube, Einer wollte auch vom Paitenthale [Puittal] hinaufgegangen sein. – Ob man von dem einen der Gipfelköpfe auf den andern hinübergehen könne? – O ja, ganz leicht. – Ich wusste genug, das heisst ich wusste Nichts, ausgenommen, dass meine Auskunftgeber noch weniger wussten vom Ofelespitz, als mir im Vorneherein schon bekannt war. – Ich gab Auftrag, mich zeitig zu wecken und begab mich zur Reihe – nicht allzu zuversichtlich dem kommenden Morgen entgegensehend.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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