[Kalkalpen-Startseite] [Vorbemerkungen (bitte zuerst lesen!)] [Stichwortverzeichnis] [Impressum] [Kontakt]
Home XXVII. Der Ofelespitz im Berglenthal Das Berglenthal; Pfad an seinem Eingangsthore Im Berglen-Plattach; sein Trockenthal
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 V. Aus dem Wetterstein-Gebirge [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XXVII. Der Ofelespitz im Berglenthal

Parallele Gebirgsstruktur im Süden des Wetterstein-Gebirges

Das Berglenthal, das erste Hochthal an der Südseite des Wetterstein-Gebirges, läuft, wie ein Blick auf die Karte zeigt, nicht rechtwinkelig zur Linie des Hauptkammes, sondern parallel demselben, von einem seitlichen Parallelkamme begleitet. Wir finden in ihm, wie in dem ihm nächstbenachbarten Paitenthale [Puittal] wieder unverkennbare Spuren der durchgreifenden ostwestlichen Parallelstruktur der Nordtiroler Kalkalpen. Die Dreithorspitz-Gruppe stellt auf dem Hauptgrate des Wetterstein-Gebirges sich quer, von Nord gegen Süden; von ihrem südlichen Gipfel, der Leutascher Dreithorspitze, setzt der Wettersteinkamm wieder in westlicher, der Ausläufer nicht, wie man erwarten sollte, in südlicher, sondern in östlicher Richtung sich fort; er sinkt, zunächst als blosse Umrandung des Dreithorspitz-Platts, zum Söller herab, der Uebergangsstelle in Paitenthal*) [Puittal] und schwingt sich hierauf zum doppelzahnigen Ofelespitz empor, von dessen Scheitel er, anfänglich steil, von der Waldregion ab gemässigt, auf den Boden der Leutasch sich niedersenkt. Ganz ähnlich verläuft die zweite Südverzweigung des Wettersteinkammes: vom Fusse der Scharnitzspitze löst ein hohes, flaches Joch gegen Süden sich ab, kehrt aber seinen Rücken alsbald gegen Osten und erhebt denselben zum Gehrenberg [Gehrenspitze], der bei Ober-Leutasch absetzt. Das Thal zwischen ihm und dem Ofelespitz, Paitenthal [Puittal] genannt, wird dadurch wieder zum Parallelthale. Auch die weiter westlich noch folgenden Verzweigungen des Wetterstein-Gebirges, der Rossberg, Schönberg und Predigtstuhl zeigen in Erhebung ihrer Culminationspunkte in einiger Entfernung vom Hauptkamme und östlicher Verbreiterung derselben ähnliche Neigungen, die jedoch durch die nahe Längsthalung des von der Pestkapelle herabkommenden Gaisthales rasch abgeschnitten werden; und die Zweigthäler des letzteren, Scharnitz-, Sulzbach-, Leitenbach- und Kothbachthal stellen als wahre, rasch fallende Querthäler des Haupt-Gebirgskammes sich dar.

*) Die Höhe des Passes beträgt 6598' 2143 m. Schlagintweit. Der Uebergangspunkt liegt nicht genau an der tiefsten Stelle, am Westfusse des Ofelespitzes, sondern etwas westlicher. Längs des Randes hingehend erblickt man den Steig, der an einer Stelle durch eine Mauer und einen Schafgatter abgesperrt ist, bald unter sich. Der erste Abstieg gestaltet sich steil, und hält sich, zunächst eine Kluft kreuzend, vorwiegend nach der rechten Seiten. Sobald man aber die freien Grasplätze erreicht hat, steige man nicht mehr geradlinig ab, sondern halte sich links. Der Pfad ist meistens, doch nicht überall, kennbar.


Copyright © http://alpinhistorie.bergruf.de/barth/kalkalpen/
Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

Home XXVII. Der Ofelespitz im Berglenthal Das Berglenthal; Pfad an seinem Eingangsthore Im Berglen-Plattach; sein Trockenthal