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 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 V. Aus dem Wetterstein-Gebirge [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XXVII. Der Ofelespitz im Berglenthal

Die Bergwanderungen der nächsten Tage

Der folgende Morgen fand mich ziemlich schwach, matt und steif, doch nicht absolut marschunfähig; und da ich meinen Zustand durch langsame Wiedereinübung der Gelenke am besten zu heben dachte, ein Krankenlager in Ober-Leutasch auch nicht zu den beneidenswerthesten Süssigkeiten des Lebens gehören möchte, so brach ich in den Vormittagsstunden wieder auf. Ein Bergstock war unter den gegebenen Verhältnissen unbedingteste Nothwendigkeit; da in der "Gasse" ein solcher nicht aufzutreiben war, so begnügte ich mich mit einem Rechenstiele. Mit diesem stieg ich in's wiesenreiche Paitenthal [Puittal] hinauf und auf den Gehrenberg (ca. 7000' 2274 m.), ein leichter und aussichtsreicher Spaziergang, so recht geeignet für einen Halb-Invaliden, wie mich. Alle halben Stunden eine Viertelstunde Rast; aber hinauf kam ich schliesslich doch.

Ich stieg gegen Westen ab, zur Wang-Alpe und durch das Scharnitzthal zu den Oberen Häusern hinunter, welche an der Ausmündung des Gaisthales in's Leutaschthal gelegen sind. Mein Zustand hatte gegen Abend sich erheblich gebessert, und ich sah mich an dem neuen Orte sogleich nach einem Bergstocke um. Hier erhielt ich denn auch einen solchen von gewünschter Stärke und Länge. Er steht noch in meinem Zimmer und hatt mittlerweile auch Einiges gesehen und gelernt. Wer weiss, wann seine Stunde schlägt!

Tags darauf ging's auf den Hohen Munde, und über seinen zackigen Scheitelgrat hinweg auf den Nieder-Mundesattel und zur Tilfus-Alpe [Tillfuss-Alm] im Gaisthal; anderen Vormittags machte ich am Hinter-Rainthaler Schrofen bereits wieder meine Sprünge. Am 2. September kehrte ich nach Mittenwald zurück. Für einige Tage wechselte die Scene meiner Bergwanderungen. Ein Freundes-Telegramm aus Bellinzona berief mich zu einer längst verabredeten Tour in's Algäu, als Führer auf den Hoch-Vogel.

*) Der Uebergang vom Mittleren – höchsten – Gipfel des Hohen Munde auf den Westlichen wird durch einen kurzen Abstieg in eine Felsschlucht der Südseite, wodurch der Zackengrat zwischen beiden vermieden wird, in ziemlich schwieriger Weise bewerkstelligt. Auch der Hinabweg an der Westkante des Berges bietet anfänglich noch einige Hindernisse.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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