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Home XXVII. Der Ofelespitz im Berglenthal Abstieg über die zweite Wandstufe und in's Berglen-Plattach Gassen im Leutaschthal
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 V. Aus dem Wetterstein-Gebirge [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XXVII. Der Ofelespitz im Berglenthal

Ein glücklicher Fund

Alle weiteren Rücksichten traten zurück vor der einen, möglichst bald und sicher zu Thal zu gelangen. Ganze Strecken weit bewegte ich mich rutschend über den Boden hin, Hände und Füsse gleichzeitig gebrauchend. Endlich zeigte sich wieder etwas Graswuchs, ich nahte dem furchigen Terrain, über welches ich meinen ersten Anstieg genommen, und da lag im Schrofenwinkel noch ungestört der Bergsack, neben ihm die Wasserflasche. Der Schnee in ihr war zerschmolzen – ich leerte sie auf einen einzigen Zug. Dann ging's völlig hinab. Den Stock, der irgend wo in diesen Klüften stecken mochte, zu suchen, fiel mir natürlich nicht mehr ein; ich hatte Eile, den letzten Rest des Tageslichtes zu nützen,um den steilen Zickzackpfad des Berglenthales hinab bis auf den breiten Weg zu verfolgen.

Ein glücklicher Fund – ein Hirtenstock im Gebüsche, den ich unter der Rechtfertigung des Nothstandes sofort mit Beschlag belegte, erleichterte mir die Wanderung, welche immerhin mühsam genug von Statten ging; das geprellte Knie schwoll immer stärker an und mit Sorgen dachte ich an die kommenden Tage. Bei völliger Dunkelheit bereits erreichte ich die kleine Wiesenebene des Thales, und hielt mich nun an den breiten Holzfahrweg, welchen ich des Morgens entdeckt hatte; er wendet sich nach kurzem Anstieg quer und umkreist den Endabfall des Ofelespitzkammes im Viertelsbogen; senkt sich dann schräge ab, kreuzt ein paar wasserführende Gräben und erreicht bei den Häusern "Am Reidl" [Reindlau] die Strasse des Leutaschthales.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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