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Home XXIV. Ein Tag auf dem Plattacher Ferner Wiederholte Besuche im Rainthale bei schlechtem Wetter Nachtlager in der Angerhütte
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 V. Aus dem Wetterstein-Gebirge [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XXIV. Ein Tag auf dem Plattacher Ferner

Abend an der Bockhütte; wie der Schafhirte lieber spricht als steigt

Am 1. August [1871] endlich hellte der Himmel sich auf, die Bergspitzen traten aus ihren grauen Hüllen wieder frei hervor, ich setzte mich Nachmittags von Partenkirchen aus in Marsch. Ueber die Partnachklamm wanderte ich zum Rainthaler Hof, nach kurzer Aufenthalte weiter thalein, zur Bockhütte; kurz vorher traf ich am Wege meinen Mann, der die Kühe zur Abendmelke nach der Hütte trieb. "Also morgen Gatterlspitz!" – Da fingen die Bedenken von vorne wieder an. Es könne ruchbar werden, dass er Fremde führe, dann bekomme er Verdruss von den Leuten, deren Schafe er hüten solle. Antwort: an 1200 Stück Schafe, die er auch zu hüten hat, stehen auf dem Platt, von dort aber ist die Ersteigung des Wetterschrofen, hin und zurück, in ein paar Stunden abgethan. – Weiters, es sei eine gar so "schieche" Steigerei, – er natürlich komme ganz gut damit zurecht, – aber was solle er anfangen, wenn ich micht mehr weiter getraue? – Anwort, das sei meine Sache, ich verlange von ihm nicht den kleinen Finger. Er solle nur fein hinaufsteigen auf den Gatterlspitz, wie er schon einmal ihn erstiegen, das Uebrige wollte ich schon besorgen. – Weiters, was ich ihm dafür geben wolle, unter fünf Gulden thue er es keinesfalls. – Antwort, das sei zwar unverschämt, aber er solle sie haben. – Endlich, morgen ginge es schon gar nicht, er sei allein auf der Alpe und müsse die Kühe melken. – Antwort, das schadet nichts, ich gehe aussserdem auf den Schneefernerkopf und auf das Wetterwandeck, wozu ich dich nicht brauche; melke immerzu deine Kühe, in drei Stunden bist von der Bockhütte auf dem Platt, Mittags Zusammentreffen am Fusse des Gatterlspitz. – Abgemacht! – Ich merkte, dass ich den Vogel in meinen Klauen hatte. Dass er an den Unrechten gerathen, der aus seinen, von Manchem bereits angestaunten Erzählungen bitteren Ernst machte, war ihm augenscheinlich höchst unbequem. Ich bedeutete ihm, zu seiner grössten Entrüstung freilich, auch ganz kurz, dass ich seine Ersteigungsgeschichten bis zum faktischen Beweise dies Gegentheils für Grosssprechereien ansehen müsse, und war auf das, was am andern Tage folgen sollte, schon ziemlich gefasst.


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Letzte Aktualisierung am 29. August 2018

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