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Home XXIV. Ein Tag auf dem Plattacher Ferner Auf das Platt und den Ferner Aussicht; Vergleich mit jener der Zugspitze
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 V. Aus dem Wetterstein-Gebirge [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XXIV. Ein Tag auf dem Plattacher Ferner

Der Schneefernerkopf; Breite seines Terrains

Ueber den rauhen, verwitterten Grat gelangte ich nach weiteren 10 Minuten auf den Gipfel des Schneefernerkopfes; eine weite, hügelige Fläche, von einem Culminationspunkte im eigentlichen Sinne des Wortes ist hier nicht zu reden. An mehreren Punkten sind Signale oder Steinmännchen errichtet, und manchen Spaziergang hat man auf dem Plateau zu unternehmen, um das Aussichtsbild in allen seinen Einzelheiten von den günstigsten Standorten aus zu geniessen. Ich hatte von der Knorrhütte nach dem Schneefernerkopfe 2 1/2 St. benöthigt, war allerdings an diesem Morgen ziemlich rasch gegangen, wie aus den Höhendifferenzen sich ergibt*); in der Regel werden für den Schneefernerkopf, wie für die Zugspitze, 3 Stunden in Anrechnung gebracht werden dürfen.

*) Angerhütte 1182' 1358 m. Gutes Wasser auf dem Platt (= Knorrhütte) 6312' 2050 m. Unteres Ende des Fernes 7208' 2342 m. Anstieg zur Zugspitze (ungefähr gleichbedeutend mit Höhe des oberen Firnplateau's) 8139' 2644 m. Schneefernerkopf 8880' 2885 m. Sendtner (nach anderer Messung 8823' 2866 m., nach der Grenzbeschreibungskarte 8795' 2857 m.).

Und dieser Schneefernerkopf, meines Wissens den Alpenwanderern bisher fast unbekannt, wäre in der That ein würdiges Objeckt häuferigen Besuches; die günstigen Verhältnisse seiner Ersteigung würden ihn namentlich denjenigen Touristen empfehlen, welchen die Trauben auf der Zugspitze etwas zu hoch hängen, sei es, dass sie der Anstrengung des Felsenkletterns nicht gewachsen sich fühlen, sei es, was am häufigsten vorkommt, dass sie des Erfordernisses der Schwindelfreiheit entbehren. Für diese letzteren ist die Zugspitz-Ersteigung, auch wenn sie, von den Führern gehoben und geschoben, dieselbe erzwingen, völlig werthlos. Der enge Gipfelraum lässt auch, am Ruhepunkt und Ziele angelangt, Ruhe und Behaglichkeit bei ihnen nicht aufkommen, ihr Blick haftet scheu am Fels, statt in unbegrenzte Weiten auszuschweifen. Der Schneerfernerkopf bietet, wie eben dargelegt, dem Wanderer breiten und sicheren Boden für die ganze Länge seines Weges und auf seinem Gipfelscheitel, der einer Compagnie zum Exerciren hinreichenden Raum gewähren möchte, wird auch der schwindelbefangenste Alpenspaziergänger sich sicher fühlen und sich niederlassen in dem Gefühle "hier ist gut sein."


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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