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Home XXV. Der Waxenstein; aus dem Höllenthale an den Eibsee Ausblick am Höllenthor Pfad an den Thalflanken
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 V. Aus dem Wetterstein-Gebirge [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XXV. Der Waxenstein; aus dem Höllenthale an den Eibsee

Das aufgelassene Bleibergwerk

Zwei terrassenförmige Abstufungen dieses Vorbaues tragen die verfallenden Gebäude des nunmehr aufgegebenen Bleibergwerkes; niedrige, gemauerte Häuschen, bereits theilweise Ruinen, Thür- und Fensterstöcke ausgebrochen, im Innern noch traurige Reste einer Einrichtung, die in solch' unzugänglicher Wüstenei eine comfortable genannt werden mochte. Der Boden ringsum ist bestreut mit Klümpchen des einstmals hier gebrochenen Bleierzes, kleine Knollen von Bleiglanz, welche im Kalkgesteine eingesprengt vorkamen; man kann am Eingange eines nahen Stollens solche im harten Felsen festsitzende Knollen unmittelbar beobachten. Der wachsende Verkehr, die gesteigerte Leichtigkeit der Beischaffung von Mineralien aus Gegenden, wo dieselben unter günstigeren Bedingungen gewonnen werden, hat diesem einsamen Bergbaue nach Jahrhunderte langem Bestehen ein Ende gemacht. Auch die Schmelzen in Hammersbach, wo ehedem das Bleierz verhüttet, der nicht ganz unbeträchtliche Silbergehalt aus demselben abgeschieden wurde, stehen still; hieher wurden die den Sommer über zu Tage geförderten Erze während des Winters von den Knappen auf Kraxen und weiterhin mittelst kleiner Handschlitten heruntergeschafft und kaum verging ein Jahr, in welchem nicht ihrer einer auf der steilen schlüpfrigen Bahn den Halt verlor und in der Höllenthal-Klamm ein schauriges Grab fand.

Wir hatten eine starke Stunde von der Hoch-Alpe zum Bergwerke*) benöthigt; vor dem Huthause, am Rande der vorspringenden Terrassenstufe, wurde kurze Rast gehalten, in Betrachtung der finsteren Thalschlucht, die 1000' [300 m] tief zu unseren Füssen lag, in die sich der gewähnliche Höllenthalweg bis zur deutlich sichtbaren Klammbrücke hinunterschlängelt; – des grünen Bodens im Innern des Thals, der massigen Wandstufe darüber und des schimmernden, zackenumrandeten Höllenthal-Ferners; – des felsenkahlen Waxensteinkammes, der unserem Standpunkt gegenüber in wilder Schroffheit sich emporbaut. Jetzt zum erstenmale dämmerte der Gedanke in mir auf, der heutige Tage könne mich wohl noch auf jener selten betretenen Zinne sehen, zudem mein Gewährsmann mir mittheilte, dass ihm der Gang quer durch die Weideplätze des Waxenstein bekannt sei, wo er schon oftmals die Schafe gehütet habe; war ich aber quer durch diese schwach begrünten Plattenkare nur einmal bis direkt unter den Gipfel gelangt, dann musste ja auch dieser wohl sich zwingen lassen; Menschenfuss hatte ihn bereits betreten, Zeuge davon die Stange auf seinem Haupt; und von welcher Seite sollte jener erste Ersteiger hinaufgekommen siein? vom Eibsee doch sicherlich nicht!

*) Unterer Stollen 4431' 1439 m., oberes Huthaus 4661' 1514 m. Sendtner.


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Letzte Aktualisierung am 29. August 2018

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