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Home XXV. Der Waxenstein; aus dem Höllenthale an den Eibsee Touristenwege; angebliche Unzugänglichkeit des Waxenstein Am Kreuzjoch
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 V. Aus dem Wetterstein-Gebirge [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XXV. Der Waxenstein; aus dem Höllenthale an den Eibsee

Vom Rainthaler Hof in's Bodenlahnthal [1871]

Ein nebeldunstiger Morgen blickte am 9. August 1871 zu den Fenstern des Rainthales Hofes (2888' 938 m. Sendtner) herein, in welchem Jagdgehilfe Peter von Partenkirchen und ich die Nacht zugebracht hatten, ersterer, um den folgenden Tag seinen Berufsgeschäften nachzugehen, ich in Absichten auf den Hoch-Blassen, nicht zum ersten- noch auch zum letztenmale, dass diese eigensinne Doppelkuppe meinen Wünschen unfügsam sich zeigte. Da unter den gegebenen Witterungsaussichten so gut wie gar nichts anzufangen war, so begleitete ich meinen Schlafgenossen vorerst auf seinem Jagdgange, das Weitere dem Zufalle überlassend.

Wir wanderten in's breite, waldreiche Thal der Bodenlahn hinein, zur Linken die Steilabfälle des massigen Felsstockes, welcher die Thalsohle der Partnach zu ihren beiden hinteren Klammen zusammendrängt, und dessen Scheitel die ausgedehnte Weidefläche der Stuiben-Alpe trägt; – zur Rechten und im Hintergrunde die walddunklen, von tiefen, zertheilten Gräben gelber Schuttmassen gezeichneten Flanken des Kreuzjoch-Kammes; hoch über dem Thalgrunde, nur auf Augenblicke aus dem dampfenden Gewölke hervortretend, die schiefe Pyramide der Alpspitze. Der holperige und stellenweise sehr schmutzige Weg erreicht nach 3/4 St. die Untere Bodenlahn-Alpe (3383' 1099 m. Sendtner), von welcher ein Steig links zur Bernadinhütte und in's Gassenthal hinaufführt, ein anderer dem Hintergrunde des Thales entgegenleitet. Die Hoch-Alpe ist auf beiden mit wenig Zeitunterschied erreichbar. Wir wählten den letzteren, welcher durch das Krummholz des Thalgrundes, längs der schuttführenden, meist trockenen Wasserbetten hin in ziemlich fühlbarer Steigung dem Fusse des Kreuz-Jochs sich nähert.

Weithin spannt sich der Abschlusskessel der Bodenlahn, theils felsiges Gezack, theils düsteres Buschwerk bekleidet die Gehänge, in ihnen verlieren zu engen Schluchten sich die auseinanderstrahlenden Geröllstrassen der Sohle. Ein mächtiger, wohl an 50' [17 m] hoher Felsblock, aus den morschen Umfassungsmauern herabgestürzt, beherrscht die Mitte des Thalgrundes, einem künstlich aufgerichteten Wartthurme gleich. An ihm vorüber zieht der Pfad, der vorher noch den Ruinen der Oberen Bodenlahn-Alpe (3611' 1173 m. Gümbel) begegnete, durch Legföhren und Gehölze, vielfach verzweigt und wieder vereinigt*), bis dass endlich die steile Hebung des Kreuz-Jochs beginnt und kurze Windungen des Steigleins in langwierigem, ermüdenden Anstiege den Wanderer aufwärts leiten; doch entschädigt ihn bei jeder Kehre ein herrlicher Rückblick auf das Thal der Bodenlahn, das seinen waldreichen Grund gegen das Partnachthal hinaus eröffnet; tiefer noch dunkelt es da draussen, aber hell glänzen im freien Himmelslichte die Felsenhäupter des Frauenalpl, – die Dreithorspitze.

*) Man achte im Aufsuchen dieses Weges darauf, sich nicht zu weit links zu halten, um nicht in's pfadlose Krummholz zu gerathen; doch erreicht man auch bei verfehltem Anstiege, wenngleich erst nach mancher Mühsal, den queren Pfad nach der Hoch-Alpe.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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