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 Was Karwendelnamen erzählen

Flur- und Bergnamen – ein Beitrag zur Kulturgeschichte und Volkskunde

Die eben erschienene Karwendelkarte des Alpenvereins gibt zum Unterschied gegen die alte Karte auch die Paßtalung, die von Mittenwald bis Zirl das Gebirge umrahmt, meist in voller Breite wieder, während auf der bisherigen Karwendelkarte die Westgrenze mitten durch die Seefelder Gruppe lief. Nicht nur der Turist wird diese neue, vollständigere Darstellung der Gebirgslandschaft begrüßen, sondern auch der wissenschaftliche Betrachter und Benützer der Karte, denn mit dem Gebirge hängt dieses Quertal geographisch und geschichtlich untrennbar zusammen, es hat selbst die Schicksale entfernterer Landschaften noch entscheidend beeinflußt. Seit Römerzeiten bis weit in die Neuzeit herauf war es der begangenste, kürzeste Weg nach Tirol, ja selbst noch zu Goethes Zeit, der, schon ungeduldig den Süden suchend, hier doch seine Augen nicht ohne Wohlgefallen auf dieser hyperboreischen Bergwelt ruhen ließ.

Seit alters haben die Menschen von dieser Talstraße aus sich den Weg ins Gebirge gebahnt, haben die Leute der einzelnen Talgemeinden dort ihre Nutzungsräume – nach den Gesetzen der Alpensiedlung oft in seltsamem Gegensatz zu heute herkömmlichen Vorstellungen – abgegrenzt und das Antlitz der Landschaft umgestaltet, soweit dies Menschen tun können. Außer den spärlichen Urkunden geben über diese älteste Siedlertätigkeit im Karwendel nur jene geschichtlichen Zeugen Aufschluß, die so eng dem Boden, der Landschaft verhaftet sind, daß eine Gebirgskarte an ihnen nicht vorbeigehen darf, zumal sie großenteils dem Bergsteiger vertraut sind, wenn er auch ihre Sprache nicht immer versteht: die Flur- und Bergnamen, die dichtverstreut uns von jedem Tal und Bergstock etwas zu sagen wissen, vom Alter menschlicher Anwesenheit im Gebirge, von der Herkunft der frühesten Siedler und ihrer Sprache. Bei der Wichtigkeit, die ihnen innewohnt, wurden sie mit der größten Sorgfalt gesammelt und tunlichst vollzählig auf die Karte übernommen. Um sie dabei in der bodenständigen Aussprache möglichst getreu zu überliefern, wurde jene Lautwiedergabe angewandt, die [in der] "Zeitschrift" 1928, S. 28, dargestellt ist und am Schlusse dieses Aufsatzes durch einige Nachträge ergänzt wird. Daß die ortsgebundenen Namen zur Kulturgeschichte und Volkskunde eines Gebietes manches beizusteuern vermögen, kann schon ein kurzer Überblick über jene Namen zeigen, die sich in das Geschichtsbild des von Westen her erschlossenen Karwendels einfügen und daran manchen Zug ergänzt.


Copyright © http://alpinhistorie.bergruf.de/karwendelnamen1934/
Letzte Aktualisierung am 31. Dezember 2016

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