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Home XVI. Die Lamsenspitze im Stallenthal Gipfelgrat; Absturz zum Falzthurnthal Abstieg; Dauben; ein ungern gebrauchtes Hilfsmittel
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 III. Aus dem Nord-Innthaler Gebirge [Karwendel/Mieminger Gebirge] [geograph. Bezeichnungen noch nicht überprüft]
 XVI. Die Lamsenspitze im Stallenthal

Verbindung zwischen Lamsen- und Schafkarspitz

Nur drei Viertelstunden hatte ich mit Ersteigung der Lamsenspitze (ca. 7750' 2518 m.) verbracht; Grund zu langem Aufenthalte hatte ich, von körperlicher Erholung abgesehen, keinen, zumal mit sämmtlichem Gepäcke auch der Klinometer hatte zurückbleiben müssen, mit welchen ich gerne einige relative Höhen-Beobachtungen angestellt hätte. Den Schafkarspitz, der mir zunächst im Westen stand, taxirte ich als entschieden niedriger*); seine Stellung und sein Gipfelbau müssen erst noch entscheiden, ob er auch zum Streite mich herausfordert, und ist diess der Fall – ich fürchte auch diesen "Unersteiglichen" nicht mehr. Die Scheitelzone der Lamsenspitzen bot wenig Interessantes. Im Westen die flache Erhebungswelle, von welcher der Mitterkarlspitz sich ablöst; bis dorthin steht die Gangbarkeit der Bergflanke in höchster Region ausser Zweifel, und ebenso erscheint die Ostseite des Schafkarspitzes gut ersteiglich; das zwischenliegende Terrain deckt mir eben der Mitterkarlspitz.**) Gen Osten erhebt der Gipfelgrat sich nach kurzer Senkung zu seinem kegelförmigen Eckpunkte. Er wäre von hier aus ganz wohl ersteigbar, aber unzweifelhaft niedriger, reizt er mich weiter nicht. Der Osten vom Hoch-Nissel, der Westen vom Hoch-Glück geschlossen, an welchem ein schöner Einblick in die Schneepfann' sich eröffnet, während vom Schafkar nur wenig über den Mitterkarlspitzkamm herüberschaut; südlich das mächtige Speckkar-Gebirge, nördlich in nächster Nachbarschaft das Sonnjoch und freier Ausblick auf das Risser und Achensee'r Gebirge [Rofan], sowie in's flache Land.***)

*) Ein späterer Besuch desselben erwies auch die Richtigkeit dieser Schätzung nach dem Augenmasse.
**) Der Jäger Oberleitstettner behauptet die entschiedene Unmöglichkeit zwischen beiden Gipfeln durchzudringen; der Besuch des Schafkarspitzes, der eben in diese, für die Lamsenspitze verborgene Partie mir den Einblick eröffnete, macht mir das Gegentheil des wahrscheinlich.
***) Im Gebirgs-Panorama des Flachlandes macht die sich Lamsenspitze durch ihren senkrechten östlichen Absturz sehr augenfällig bemerkbar.


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Letzte Aktualisierung am 29. August 2018

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