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Home XI. Das Hohe Licht Edelweisssuchen am Rappenköpfle Ueber Einödsbach nach Oberstdorf
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 II. Aus den Algäuer Alpen [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XI. Das Hohe Licht

Ueber die Rappenalpe in's Rappenalpenthal

Es war sehr gerathen, oder eigentlich etwas zu spät, den Rückzug anzutreten; langsamer als hinauf, ging's das steile, schlüpfrige Gehänge hinunter zum Rappensee, und längs seines hochgeschwollenen Ausflusses bergab zur obersten Hütte der Rappenalpe (5451' 1771 m. Sendtner). Rasch, wie es gekommen, hatte das Vormittagsgewitter sich verzogen; die Sonne brach wieder durch die Wolken und sandte ihre grellen Strahlen in die Thäler, die alsbald mit neuen, emporgesendeten Dunstmassen darauf antworteten. Eine kurze Weile jedoch war die jenseits des Rappenalpenthales mir gegenüberstehende Gebirgskette wolkenfrei und prächtig zeichneten die starren Zacken der "Walser Kerle", Geishorn, Liechlkopf, Angererkopf, Kempterköpfle, die Schafalpenköpfe endlich vom dunkeln Horizonte sich ab. Ich verfolgte mit dem Blicke wieder die Schlangenlinie, die ich vor Monatsfrist durch ihre öden Schuttkare beschrieben*) und grüsste die felsenkahlen Gipfel, deren Häupter ich betreten hatte; bedenklich aber betrachtete ich mir den nördlichsten, höchsten der Schafalpenköpfe, der schon einmal mich zurückgewiesen hatte, und nun einem aufgereckten Daumen gleich auf mich herüberschaute. Das könnte auch so eine Trettachspitze werden!

*) Eine Schilderung dieser Tour siehe Alpenfreund, Bd. VII, Heft 1.

Den Weg, der von der Rappenalpe quer am Steilhange hin und, häufig durch Zäune gegen den nahen Wandabsturz geschützt, in nördlicher Richtung hinabzieht, verfolgte ich bis in die Nähe der tiefen Schlucht, die zwischen Rappen- und Linkersalpe in die Gebirgsflanke einschneidet. Letztere wieder zu durchzusteigen, wie im Morgengrauen des vorhergehenden Tages, hatte ich keine Lust, verfolgte daher die nächst sich darbietende Wegspur direct zu Thal. Sie führte mich zur untern Hütte der Rappenalpe und verlor sich dann im Walde. Eine Strecke weit ging ich pfadlos, instinktiv links gehalten, bis ich wieder in die Nähe der mir bereits mehrfach unvortheilhaft bekannt gewordenen Schlucht zwischen der Bibers- und Rappenalpe traf; hier fand ich aber glücklich den Steig wieder auf, der, steil hinabgeschlängelt, mich auf die sichere Thalsohle brachte, 1 1/2 Stunden nachdem ich den Rappensee verlassen.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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