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 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 I. Aus den Berchtesgadener Alpen
 III. Die Göllkette

Alpenglühen am Torrener Joch

Eine Viertelstunde später langte ich an der Alphütte an und vertiefte mich in deren materielle Genüsse; zeitweilig das Auge zurückwendend nach dem verlassenen Gipfel, die langgestreckte Sinke bleichen Felsbodens betrachtend, die mich zu Thal geführt. Die Alpe, bis zu welcher mein Abstieg etwas über zwei Stunden gewährt hatte, nennt sich  Karte:
http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4%7C-18376%7C270431%7C0 Alpwinkel und liegt am linken Ufer des Torrenerbaches*), mit welchem die Wasserläufe am der Südflanke der Göllkette durch tiefe Schluchten sich vereinigen.

*) In diesem seinem oberen Laufe wohl auch Fischbach genannt.

Ein paar Abendstunden hatte ich noch übrig und war trotz des grossen Tagesmarsches nicht sehr bedeutend ermüdet, beschloss daher die Höhe des Torrenerjoches zu gewinnen und auf den Königsbergalpen zu übernachten; um so zeitiger konnte ich des nächsten Tages in Berchtesgaden zurück sein. Bequeme Alpenpfade führten mich thalaufwärts, jenseits der Tiefe des Torrenerbaches sah ich auf breiter Wiesenterrasse die Unteren Jochbergalpen [Joch-Alm] liegen, eine Viertelstunde später führte mein Weg mich durch die Obere Alpe gleichen Namens; dann ging's über hügeligen, theilweise bewaldeten und buschbewachsenen Boden zur Passhöhe empor. Schon hatte Dämmerung sich in's Thal gesenkt, die Rothe Wand des Schneibsteins, die zerrissenen Mauern des Göllgrates, die Steilwände des Brettriedels sahen bleich in seine Tiefe nieder; ein seltsamer Schimmer spielte um die Wipfel der Wettertannen.

Rasch das Freie gewinnend wandte ich den Blick thalaus: da stand das Tennengebirge im Feuer. Glut des Eisens in der Esse, brennendes Rosenroth ergisst in raschem Wechsel sich über seine zackige Mauerkrone, dunstige Schleier von zartesten Carmin und Violet umhüllen leuchtend seine starren Wände und streichen durch ihre Klüfte hinauf zu den Zinnen, als schürten sie dort den Brand; sie ziehen nach sich die Nebel des Thals, in röthliche, blaue, graue Farbentöne getränkt: ihnen folgt auf dem Fusse das Dunkel das Nacht. Wenige Minuten später ist es düster geworden.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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