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Home XX. Im Hoch-Glück Schlimmer Abstieg ins Oedkarl Auf den Scheidegrat gegen das Spritzkar
 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 IV. Aus dem Quellen-Gebiete der Isar [Karwendel] [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XX. Im Hoch-Glück

Weitere Pläne; eine abendliche Gipfel-Tour

Nun hatte ich erreicht, was ich gewollt – das Kar der Vomperloch-Seite war betreten. Und was weiter? – Die Erwartung, die westliche Hoch-Glück-Scharte von seinem Schutte erreicht zu sehen, wurde abermals getäuscht. Die Mauern des Grates erheben sich wohl mehr als 100' [30 m] hoch über die Geröllfelder und ein einladendes Aussehen besitzen sie keineswegs. Vermuthlich führt der richtige Weg in die Kluft an der Westseite des viereckigen Thurmes entlang; doch scheint auch der direkte Anstieg nach der östlichen Scharte ausführbar zu sein. Von dem Standpunkte, den ich im Oedkarl einnahm, durfte ich bis zum Wiederbetreten der Schneide immerhin eine leichte Stunde in Anrechnung bringen – dann hinunter durch's Hoch-Glückkar um bei finsterer Nacht die Eng zu erreichen umd am andern Morgen mit dem Frühesten – denn für das Umhersuchen im Vomperloch musste ich einen bedeutenden Zeitposten in den Voranschlag aufnehmen – wieder hinauf den langen, anstrengenden, eintönigen Weg, – – warum nicht lieber hier oben abwarten, bis neues Tageslicht mir scheint zu neuer Wanderung? – Und bin ich denn hier, auf dem Trümmerboden des Oedkarls bereits am Ziele meines Nachtquartieres, – was soll ich mit den drei Stunden Zeit weiter beginnen, die heute mir noch übrig bleiben? Sitzen, und vorzeitig anfangen, zu frieren? Und morgen vielleicht trübes Wetter, das für die Thalwanderung genügen mag, die Tour auf den Gipfel, die ich in Aussicht genommen, mir aber verdirbt? – Der Eiskarlspitz steht mir so hübsch nahe im Westen gegenüber, seine Ersteigungslinie habe ich vom Hoch-Glück längst ausgespäht, und auf dem Culminationspunkt des Vomperkammes um 5 Uhr Abends den Marsch anzutreten, ist auch kein alltäglich Ding. Immer voran!

Nach 10 Minuten stand ich am jenseitigen Saume des Oedkarls, am Fusse des starken Zweigkammes, welchen der Eiskarlspitz gen Süden entsendet als Scheide des Oedkarls und des grossen Spritzkars. Eine Lage schräger Schutt- und Grasplätze, von einzelnen Schrofenrippen durchzogen, wies mir den Weg zum Grat, welcher sodann bis auf den Gipfel selbst verfolgt werden sollte. Der erste Anstieg auf diese Plätze, welche ähnlich wie jene des Hoch-Glück auf einem Fundamente von Steilwand ruhen, vermittelte sich um ein Bedeutendes leichter, als dort; in einem Felsenwinkel reichte die, anfangs etwas schmalen Grasbänder, bis auf den Schuttboden herunter, mit einigen Zickzacks am steilen, aber durchweg gestuften Geschröfe war der Grasboden gewonnen. Erst gings in geschlossener Sinke aufwärts, in höherer Zone breitete sich der Grasboden, von Geröllstreifen durchzogen, in ununterbrochener Fläche hin. Mit sehr geringer Schwierigkeit erreichte ich, 1 Stunde nachdem ich das Oedkarl verlassen, den Zweigkamm des Eiskarlspitzes.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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