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 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 IV. Aus dem Quellen-Gebiete der Isar [Karwendel] [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XXI. Verirrt im Vomperloch

Mittagsrast und Mittagsmahl

Und nun war ich im Vomperloch. Ich war im Inneren des Thales, aus welchem der Sage nach kein Anderer, als der des Weges seit langen Jahren Kundige sich in die freie Welt wieder hinauszufinden vermögen. Vorerst kümmerte die nächste Zukunft mich wenig. Rast und Stärkung war's vor allem Andern, dessen ich bedurfte. Jenseits des Baches befand sich ein kleiner Auen-Vorsprung, von Bäumen beschattet. Hier lagerte ich am Strande, kochte einen schwarzen Kaffee, sammelte im Hute die massenhaft wachsenden Heidelbeeren, sie und der letzte Rest des Brodes bildeten mein Mittagsmahl. Das Gewölke hatte sich völlig zertheilt und in die Höhe gezogen, stechend brannte die Mittagssonne auf die Wände, auf das Kiesbett des Thales. Auch der Hintergrund des Vomperlochs hatte seiner Nebelverhüllung sich entledigt; der Eckpunkt der umbiegenden Rossloch-Lafatscher Kette, der Kanzelspitz, starrte als riesiger, kegelförmig gerundeter Felspfeiler ins Thal herab, so regelrecht steil gebaut, so makellos plattenblank, wie ein Stahlguss, der frisch die Form verlassen, so dass ich erschreckt zu ihm hinaufsah – auch diess herrschende Haupt sollte ich noch betreten, aber wie? – die Möglichkeit des Gelingens anzunehmen erschien wohl schwer. Die Hoffnung, jene gewaltigen Wächter des Haller Anger, die Gipfel des Suntiger Grates, von ihrer Südseite ersteigbar zu finden, war durch diesen Anblick definitiv ausgeschlossen; und die Nordseite, – auf sie ist im Quellen-Gebiete der Isar ein Plan nur mit geringer Aussicht auf Erfolg zu gründen. Von den eigentlichen Vomper Gipfeln sah ich in der Tiefe des Thales nur wenig und ebensowenig von den weiten Karen, die sie zwischen ihren Körpern, ihren Zweigarmen einschliessen. Dafür lag nun die Ausmündung jener Kessel, zunächst des Spritzkars, dem Blicke offen. Fast allerwärts Steilwand, von tiefen Klüften durchschnitten; nur an vereinzelten Stellen reicht das Krummholz bis auf die Thalsohle des Vomper Baches herab. Aus den Felsspalten sprühen die zertheilten Gewässer in weissschäumenden Strahlen hervor und rechtfertigen den Namen des Kars, welchem sie ihren Ursprung verdanken. An der tief thaleinwärts gelegenen Ausmündung des Grubenkars erkennt man den Anfang eines geschlängelten Steiges*); für das Spritzkar zeigt sich keine, in sein Inneres weisende Weglinie**). Nach dem Inneren der Thalweitung, der sogenannten "Au" des Vomperlochs bis an den Fuss seiner Absperrung unter dem Hochsattel des Haller Anger, treten ebenfalls Pfadspuren bemerkbar hervor, nicht so thalabwärts; die dichtbebuschten und bewaldeten Hänge rücken hier so nahe aneinander, der Bach wirft sich mit kurzem, niedrigen Wasserfalle in's Eingangsthor der grossen Klamm, die er bis kurz vor seiner Ausmündung in den Inn nicht mehr verlässt, – eine Länge von ungefähr vier Wegstunden.

*) Derselbe führt, meist in der Nähe der westlichen Thalwand gehalten, bequem in 2 Stunden bis in die weitgeöffnete, freie Hochregion des Grubenkars. Neben dem Steig, der vom Haller Anger in's Vomperloch herabführt, ist diess der einzige, in seinem ganzen Zusammenhange kennbare Pfad der inneren Thalhälfte (oberhalb der Zwerchbach-Mündung).
**) Es soll allerdings auch einen direkten Steig in's Spritzkar geben, jedoch einen "schlechten". Für das Vomperloch heisst diess soviel, als dass er absolut unauffindbar sei. Das Spritzkar wird am besten aus der Hochzone des Grubenkars durch einen (schwierigen) Quergang an der südlichen Plattenabdachung des Nudeltrogs erreicht.


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Letzte Aktualisierung am 29. August 2018

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