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 H. v. Barth: Aus den Nördlichen Kalkalpen (1874)
 V. Aus dem Wetterstein-Gebirge [geographische Bezeichnungen sind noch nicht überprüft]
 XXV. Der Waxenstein; aus dem Höllenthale an den Eibsee

Das Höllenthal und der Waxensteinkamm

Von den unzugänglichsten Klippenkämmen der nördlichen Kalkalpen überragt und umschlossen, lagert ein enges, verlassenes Thälchen im Herzen des Wetterstein-Gebirges, zu Füssen der Zugspitze; eine stundenlange, schauerliche Klamm öffnet seinen Gewässern des Austritt zur Thalebene der Loisach, in sienem innersten Hintergrunde erst wird seine Sohle das, was man Thal zu nennen pflegt; und dann bald wieder abgesperrt von einer queren, an 600' [200 m] hohen Steilwandstufe, über welcher, nur auf weiten Umwegen zugänglich, das hügelwellige Höllenthalkar, der zerschründete Höllenthalferner sich hinzieht. Schmale Pfade längs schroffer Wand, theilweise schwer zu finden und zu begehen, leiten in's Innere der abgeschlossenen Wildniss, welche die Umwohner von Alters her mit dem abschreckenden Namen der Unterwelt bezeichnen.

Und wer träumerisch auf schaukelndem Kahne die dunklen Wellen des Eibsee's durchfurcht, von seinen Felseneilanden zum Gezacke der Riffspitzen und Zugwände hinaufblickt, an welchen das letzte Echo der losgebrannten Pöllerschüsse verhallt, nicht möchte er glauben, dass hier ein Eingangsthor zu jener tiefen Bergöde sich befinde – das über diese Wände herunter ein Ausweg aus dem Höllenthale zur Welt des Lebens sich eröffne. Der nördlichste Kamm des Wetterstein-Gebirges ist es, welcher dem Eibsee zugewendet seine Mauerflanken entfaltet, welcher das Höllenthal begrenzt und an's verbreiterte Massiv der Alpspitze sich andrängend dem Bache nur die Klamm zum Austritte offen lässt. Aus der Parallelstruktur heraustretend, bildet er einen ziemlichen starken Winkel mit den südwärts folgenden Rainthaler Kamme. Die Reihe seiner Spitzen projiciert sich für das Flachland, für das Loisachthal im Vorgebirge, als stumpfer, oft kaum unterscheidbarer Kegel auf dem breiten, dunklen Hintergrunde der Zugspitze. Bei Partenkirchen sieht man diesen Kegel bereits in einzelne Häupter sich auflösen, vom Hauptmassive des Wetterstein-Gebirges gegen Westen sich abtrennen; und im Weitermarsche nach Garmisch und Grainau entwickelt sich die Ausdehnung und Höhe dieser Gipfelreihe in immer gewaltigerem Massstabe. In ihr herrscht der Waxenstein, und der Name Waxenstein ist auch der einzig bekannte Name in dieser ganzen Kette, auch im Flachlande ist nur diese Collectivbezeichnung für die Vorlage des Zugspitzstockes geläufig und ich bezeichne demnach diese nördlichste Kette des Wetterstein-Gebirges als den Waxensteinkamm.


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Letzte Aktualisierung am 23. April 2017

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